Archiv für die Kategorie ‘Sollte man sehen’

Tatsächlich hat der jüngste Streich von Tarantino das Zeug zu einem klasse Theaterstück, vielleicht sogar mehr, als zu einem klasse Film, spielt The Hateful Eight doch überwiegend in einem Raum und wird vor allem durch die Charaktere sowie einigen tollen Running Gags getragen, wie z.B. dem sagenumwobenen Brief von Abe Lincoln oder einer kaputten Tür, die laufend eingetreten wird und danach wieder zugenagelt werden muss.

Das sich Tarantino, wie auch schon in Django Unchained, am amerikanischen Rassismus abarbeitet, wie einst Oliver Stone am Vietnamkrieg, ist aufgrund der Figurenkonstellation keine große Überraschung (Yankees treffen auf Konförderierte, ein schwarzer Kopfgeldjäger unter lauter Weißen, ok, ein Mexikaner ist auch mit bei), eigentlich ein wenig plump, weil einfach zu naheliegend und auch nicht sonderlich erhellend, sprich, Tarantino hat der Thematik nichts Neues hinzuzufügen.

Das drei Stunden eigentlich so gut wie ausschließlich geredet wird und das zuweilen etwas langatmig rüberkommt – drauf geschissen, dafür wird man durch die typisch tarantinoesken Szenen gegen Ende und zu Beginn des Streifens mehr als entschädigt (nie wurde lustiger Blut gekotzt), und wirklich gelangweilt habe ich mich eigentlich nur mal kurz zwischendurch.

Alles in allem ein sehenswerter Film, für mich schon jetzt ein Klassiker des Westerngenres und, nebenbei bemerkt, auch ein schöner Whodunit fast schon im Stil von Agatha Christie. Ein guter Tarantino, wenn auch nicht sein bester, besser jedenfalls als die Fingerübung Django Unchained. Einziger, bemerkenswerter Schwachpunkt vielleicht die Rolle, die eigentlich Christoph Waltz zugedacht gewesen zu sein scheint und dann notdürftig mit Tim Roth geflickt worden ist, der dann auch nichts anderes macht, als Christoph Waltz zu spielen, nur schlechter. Roth hat eigentlich mehr drauf, als unseren Lieblingsösterreicher (nach Hans Moser) zu imitieren.

Creed – Rocky’s Legacy

Veröffentlicht: Januar 14, 2016 von robertweber in Sollte man sehen
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Das ich hier zwei Filme hintereinander mehr oder weniger uneingeschränkt empfehlen kann, kommt wirklich selten vor, und gerade bei Creed war ich mehr als skeptisch. Was soll ich sagen: Ein sensationelles Comeback sowohl des Boxfilms als auch von Sylvester Stallone, der hier seine beste, schauspielerische Leistung seit Cop Land abliefert und den Oscar für die beste Nebenrolle mehr als verdient hätte.

Creed kann man getrost in einem Atemzug mit den besten Teilen der Rocky Saga nennen (Rocky & Rocky Balboa). Schwachpunkte gibt es so gut wie keine und dass man sich bisweilen in die Stimmung des ersten Rocky-Filmes hineinkatapultiert fühlt, macht den Film für mich umso sehenswerter. Klar könnte man kritisieren, dass sowohl einige Szenen als auch die Gesamtdramaturgie sehr an Rocky I. erinnern, aber in diesem Fall lasse ich das tatsächlich als Hommage durchgehen.

Werft Eure Vorurteile über Bord und geht rein, Leute. Es lohnt sich.

 

 

The Revenant

Veröffentlicht: Januar 14, 2016 von robertweber in Sollte man sehen, Uncategorized
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Endlich wieder mal ein Western, in dem  der Amerikanische Native mal nicht als edler, ausgebeuteter Naturbursche gezeigt wird, der seine Zeit damit verbringt, Bäume zu umarmen und mit Pferden zu flüstern. In The Revenant geht es gleich in der Eingangsszene blutig zur Sache. Ein Trapperlager wird angegriffen, nicht etwa, weil die Jungs ein Indianerdorf abgefackelt haben, sondern den Indianern geht es, genau wie den Trappern, eigentlich nur um die wertvollen Biberfelle. Es folgt ein blutiges Gemetzel, das man meinetwegen ruhig noch hätte ausdehnen können. Übrig bleiben eine handvoll Westerner, die sich in die Berge retten, darunter auch Glass, auch heute noch ein amerikanischer Mythos. Glass entfernt sich von der Gruppe, um zu pinkeln oder so was, und gerät dabei in die Fänge eines wütenden Grizzlys. Der darauf folgende Zweikampf ist sicher das beeindruckendste, was man in letzter Zeit im Kino gesehen hat. Dann folgt ein 90minütiger Fußmarsch durch die Wildnis mit großartigen Landschaftsaufnahmen, bei dem DiCaprio zeigen darf, was er auf der Schauspielschule gelernt hat: Grunzen. Am Schluss noch ein Show Down mit dem Bösen (Tom Hardy, der seine darstellerische Schlappe bei Mad Max – Fury Road mehr als wettmacht) und fertig ist die Soße.

Trotz Überlänge und größtenteils beschaulicher Handlung ein sehenswerter Film mit ein paar Anleihen aus Rambo, Das Imperium schlägt zurück und Soweit die Füße tragen.

Gestört hat mich eigentlich nur, das aber sehr, dass aus einer einschüssigen Vorderladerpistole ohne nachzuladen in kürzester Zeit mehrere Schüsse abgegeben werden, und das gleich in zwei Szenen. Da fühle ich mich für dumm verkauft, das ist einfach nur schlampig und entwertet den historischen Kontext von The Revenant, der sich ansonsten erfolgreich sehr um Realismus bemüht.

Im Herzen der See

Veröffentlicht: Dezember 8, 2015 von robertweber in Sollte man sehen
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Wenn ich mir die Filmographie von Ron Howard so ansehe – 25 Filme in knapp 40 Jahren, bei denen er Regie geführt hat, so habe ich eher den Eindruck eines handwerklich versierten Arbeitstieres, als den eines begnadeten Regisseurs.

Klar: A Beautful Mind, Apollo 13 und zuletzt Rush – Alles für den Sieg sind gute Filme, daneben offensichtliche Auftragsarbeiten wie Der Da Vinci Code und Illuminati, wirklich abgekackt hat er auch mit Cocoon, Kopfgeld oder The Missing nicht, aber alles in allem ist sein Oeuvere kaum mehr als gehobenere Hollywood-Standardware von der Stange (A Beautiful Mind mal ausgenommen).

Jetzt also im Herzen der See nach dem wirklich lesenswerten Tatsachenbericht von Nathaniel Philbrick, den ich zufällig ein paar Monate vorher in den Händen hatte und in einem Rutsch weggeschmöckert habe. Howards Adaption ist optisch brilliant und hält sich entsprechend den dramturgischen Möglichkeiten, die einem die Filmindustrie lässt, halbwegs nah an die Vorlage, Langeweile kam auch keine auf und die Darsteller sind recht schneidig. Die Frauen bleiben, wie damals so üblich, schmachtend an Land, während sich die Männer nahezu selbstmörderisch in ihren Nussschalen mitten in ganze Pottwalschulen stürzen. Dass dabei einer von den Walen durchdreht, mehr gescheckt wie eine Kuh als weiß. und nicht nur die Walfangboote angreift sondern auch deren Mutterschiff, die Essex, in Grund und Boden rammt – wer kann es ihm verdenken?

Um’s kurz zu machen: Im Herzen der See ist ein gut gemachter, im positiven Sinne altmodisch inszenierter Seeabenteuerfilm, bei dem die 3D-Technik und der Kinobesuch wieder mal Sinn gemacht haben. Unromantischer hat man die Arbeit auf einem Walfangboot vermutlich noch nie gesehen, von mir aus hätte man das durchaus noch mehr vertiefen können, und auch das Los der Überlebenden der Essex, die drei Monate auf See treiben, kommt mir, v.a.in psychologischer Hinsicht, zu kurz. Da hat „Im Herzen der See“ einiges Potential zu Gunsten der Altersfreigabe verschenkt, für das man sich das langatmige und sentimentale Ende hätte sparen können.

Zu einem absoluten must see kann ich mich daher nicht durchringen, aber es reicht für ein allemal sehenswert und das ging mir schon lange nicht mehr so.

 

Endlich bin ich dazu gekommen, mir das Biopic über Stephen Hawking anzusehen.  Man kann den Streifen jetzt als rührselig einstufen oder aber zugeben, dass „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ gut gemachtes, emotionales Kino ist. Ich sage Letzteres. Tatsächlich ein typischer Taschentuchfilm, selbst mir kamen hie und da die Tränen. Den Oscar hat sich der Hauptdarsteller jedenfalls redlich verdient.

Sehenswert, vor allem, wenn man den Film mit „The Imitation Game“ vergleicht, der einen emotional völlig kalt lässt und recht fahrlässig mit der Biographie von Alan Turing umgeht. Zudem hat man Lust, sich wieder mal mit der „Kurzen Geschichte der Zeit“ auseinanderzusetzen, ein Buch, das ich an dieser Stelle empfehlen möchte. Ich würde allerdings zur illustrierten Ausgabe raten.

Kritikpunkte gibt es nur zwei: Der Film ist zu lang und die Wissenschaft kommt zu kurz.