Archiv für die Kategorie ‘Kann man sehen’

Star Wars – Das Erwachen der Macht

Veröffentlicht: Dezember 22, 2015 von robertweber in Kann man sehen
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Es hätte viel schlimmer kommen können, zeitweise dachte ich sogar, das ist der beste Star Wars aller Zeiten, nicht, dass die Anderen wirklich gut gewesen wären. Die Optik ist auf dem neusten Stand, insgesamt gestaltet J.J. Abrams Star Wars dreckiger und deutlich weniger sentimental und niedlich als Lucas (sieht man mal von dem rollenden Merchandisingroboter ab), und vor zehn, 20 Jahren hätte man den Film vermutlich erst ab 16 durchgehen lassen. (Wenn die Kids im Kino 12 waren, fress ich einen Besen.)

Chewbacca wirkt mottenzerfressen und wehleidig, Han Solo routiniert sich einen ab, Leia ist wirklich alt und R2D2 depressiv geworden, C-3P0 nervt wie immer, wohingegen die neue Hauptdarstellerriege, bestehend aus Daisy Ridley (Rey), Oscar Isaac (Poe) und John Boyega (Finn) ihre Sache wirklich ordentlich über die Bühne bringt.

Nette Kinounterhaltung mit ein paar wirklich aufsehen erregenden Szenen. Allerding waren auch etliche darunter, die man aus den vorangegangenen sechs Teilen recycelt hat. Ab und zu war das witzig und konnte als Referenz verstanden werden, aber in der Häufung wirkte es doch eher einfallslos und irgendwann auch ärgerlich.

Immerhin eine gute Nachricht für Harry Potter Fans: Lord Voldemort spielt auch mit, aber fragt mich nicht, wie er da hinein geraten ist.

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Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2

Veröffentlicht: November 24, 2015 von robertweber in Kann man sehen
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Die Geschichte wird auserzählt, das ist ok, die propagandakritische Haltung beibehalten, auch das ist Ordnung, dass die Revolution ihre Kinder frisst, wissen wir seit um die 18hundert, eine kleine Geschichtsstunde mit Jennifer Lawrence kann den kleinen Gören vier Reihen vor mir aber nicht schaden (ich dachte, erst ab 12, die sind doch höchstens 14), dass ich zwischendurch in den ersten Level von Doom 3 falle stört mich nicht weiter, Real 3D sieht tatsächlich etwas besser aus wie normal 3D, vielleicht liegt es aber nur an der neuen Brille (3D), die ich mir gegönnt habe (die alte hatte so Fettflecken, weil sie immer in der Küche lag), dass Ende ist eigentlich entwürdigend für J.L., insgesamt zu viel Gelaber, doch was solls. Hat man sich die vorherigen Teile angesehen, sieht man sich auch diesen an und ist nicht allzu sehr enttäuscht, der Rest kann sich den Film schenken. Von mir ein „kann man sehen“.

 

Jurassic World

Veröffentlicht: August 7, 2015 von robertweber in Kann man sehen

Die Kinder nerven nicht, die Frauen kreischen nicht und die Love-Story hält sich in Grenzen. Mehr Monster- als Dinosaurierfilm liefert Jurassic World zwar nichts wirklich neues, kommt aber auch nicht allzu abgedroschen daher. Für meinen Geschmack zuwenig Tote aber sonst durchaus unterhaltsames Popcornkino. Nur die dressierten Raptoren mit ihrer Sympathie für den Dompteur, die sich für selbigen auch noch in den Rachen eines genmanipulierten T-Rex werfen, das hätte man auch eleganter lösen können.

Eine Rekonstruktion des allerersten Computers zu sehen, die so genannte Turing-Bombe (so einen hätte ich gerne), war natürlich den Kinobesuch für sechs Euro wert. Eigentlich ein überdimensionaler Korg MS 20 mit zahlreichen Steckverbindungen, nur, dass man beim MS 20 die Walzen nicht sieht. Ansonsten wird relativ belanglos das Leben von Alan Turing abgehakt.

Quelle: „Bombe-rebuild“. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bombe-rebuild.jpg#mediaviewer/File:Bombe-rebuild.jpg

Quelle: „Bombe-rebuild“. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bombe-rebuild.jpg#mediaviewer/File:Bombe-rebuild.jpg

Um ein bisschen Kunst reinzubringen, hat man Rückblenden in die Schulzeit eingebaut, für gesellschaftliche Relevanz sorgen die berufliche Unterdrückung der Frau in den 40igern und die Strafverfolgung von Homosexuellen (die allerdings in Europa bis weit in die 60iger hineinreicht und auch heute noch in zahlreichen Ländern nicht abgeschafft ist). Cumberbitch spielt nach wie vor den Holmes (und das macht er gut), Keira „Buchstabierfehler“ Knightley tut, was sie am Besten kann, und am Besten kann sie gut aussehen. An mehr werde ich mich Morgen nicht groß erinnern.

Biopics sind natürlich generell eine undankbare Aufgabe, weil man zwar jede Menge weglassen, aber nichts groß dazu erfinden kann. Im Prinzip hätte eine gut gemachte Doku über das Leben von Turing spannender werden können, als ein aufgeblasener Kinofilm.

Fazit: Einige wirklich sehr gelungene Szenen, ansonsten mal was Anderes, mehr aber auch nicht.

Herz aus Stahl

Veröffentlicht: Januar 6, 2015 von robertweber in Kann man sehen
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Wer nichts wird wird Offizier – oder Panzergrenadier. Diese alte Wehrmachtsweisheit umschreibt die Handlung von Herz aus Stahl eigentlich recht treffend, oder wie sonst soll ich die Aussage verstehen: „Der Panzer, das ist mein Zuhause.“ Oder: „Panzerfahren und Deutsche töten, das ist der beste Job meines Lebens.“ Überhaupt hat die Besatzung des auf Fury getauften Panzers eine Art homoerotische Beziehung zu ihrem Gefährt, kommt dieses doch, im Vergleich zu dessen Pendant deutscherseits, mit deutlich weiblicheren Zügen daher.

Die Überlegenheit des Königstigers wird aber, entgegen Karstens Befürchtungen, keineswegs in Frage gestellt. Allerdings versteht es die amerikanische Sherman Besatzung, besetzt mit einem narbig geschminkten Brad Pitt (Wardaddy), dem Arsch aus The Walking Dead, irgendeinem versoffenen Mexikaner, einem bibeltreuen Presbiterianer und, wie könnte es anders sein, einem Milchbubi mit Gewissensbissen (von wegen Krieg und Töten, das geht ja gar nicht, da sind die Amerikaner heikel), die größere Manövrierfähigkeit des Shermans auszunutzen und tritt dem Tiger gehörig in den Hintern (der Hintern ist die  Schwachstelle beim Königstiger, wobei wir wieder bei der Homoerotik wären, die ja auch bei Full Metal Jacket eine große Rolle spielt, von wegen, die Braut des Soldaten ist sein Gewehr).

Zu Hintern fällt mir noch ein: Auch die Frage, wie man im Panzer eigentlich seine Notdurft verrichtet, wird in dem halbwegs kurzweiligen Streifen zumindest angerissen, wenn auch nicht vollständig geklärt. Im modernen Panzerkrieg trüge die Besatzung vermutlich Windeln, weil für ein Dixi-Klo selbst im Leopard kein Platz ist. Zumindest Adolf Hitler hatte vermutlich an die Bedürfnisse seiner Panzerbesatzungen gedacht, als er die Entwicklung des P-1000 „Ratte“ in Auftrag gab. Bei 39 Metern Länge und 14 Metern Breite war nicht nur eine Innentoilette vorgesehen, sondern auch Schlafkojen, Duschen, eine Kantine und, auf Hitlers eigenen Vorschlag hin, sogar ein Tischtennisraum.

Comparison_of_Landkreuzer_P_1000_Ratte,_Maus_and_Tiger_tanks

Comparison of the sizes of Landkreuzer P. 1000 Ratte, Maus and Tiger tanks (and a small human figure) .

Quelle: Wikipedia

Angenehm altmodisch erinnert Herz aus Stahl von der Machart her an Band of Brothers.  Etwas patriotisch zum Ende hin, aber sonst mit schönen deutschen Fräuleins, die alle gleich aussehen, gehenkt, im Bett oder am Straßenrand (blond natürlich) und die für eine Tafel Schokolade, ein Spiegelei oder vier Lucky Strikes (eine Schachtel wäre überteuert) alles geben, was das Herz eines G.I.’s begehrt.

Ich kann über Herz aus Stahl nichts wirklich Schlechtes sagen, aber auch nichts wirklich gutes. Mehr Fernsehen als Kino vielleicht, aber immer noch besser, als wenn Fernsehen einen auf Kino macht.

Grundsätzlich rate ich auf den DVD-Start zu warten, das ist billiger und kommt mit Sicherheit auch nicht schlechter rüber als für sechsfuchzig am Kinotag.

Prädikat: Kann man sehen, muss aber nicht sein.

Robert Weber

P.S. Ein künstlerisch wertvollerer Panzerfilm ist vermutlich Lebanon, aber den hab ich nicht gesehen.