Im Herzen der See

Veröffentlicht: Dezember 8, 2015 von robertweber in Sollte man sehen
Schlagwörter:, , ,

Wenn ich mir die Filmographie von Ron Howard so ansehe – 25 Filme in knapp 40 Jahren, bei denen er Regie geführt hat, so habe ich eher den Eindruck eines handwerklich versierten Arbeitstieres, als den eines begnadeten Regisseurs.

Klar: A Beautful Mind, Apollo 13 und zuletzt Rush – Alles für den Sieg sind gute Filme, daneben offensichtliche Auftragsarbeiten wie Der Da Vinci Code und Illuminati, wirklich abgekackt hat er auch mit Cocoon, Kopfgeld oder The Missing nicht, aber alles in allem ist sein Oeuvere kaum mehr als gehobenere Hollywood-Standardware von der Stange (A Beautiful Mind mal ausgenommen).

Jetzt also im Herzen der See nach dem wirklich lesenswerten Tatsachenbericht von Nathaniel Philbrick, den ich zufällig ein paar Monate vorher in den Händen hatte und in einem Rutsch weggeschmöckert habe. Howards Adaption ist optisch brilliant und hält sich entsprechend den dramturgischen Möglichkeiten, die einem die Filmindustrie lässt, halbwegs nah an die Vorlage, Langeweile kam auch keine auf und die Darsteller sind recht schneidig. Die Frauen bleiben, wie damals so üblich, schmachtend an Land, während sich die Männer nahezu selbstmörderisch in ihren Nussschalen mitten in ganze Pottwalschulen stürzen. Dass dabei einer von den Walen durchdreht, mehr gescheckt wie eine Kuh als weiß. und nicht nur die Walfangboote angreift sondern auch deren Mutterschiff, die Essex, in Grund und Boden rammt – wer kann es ihm verdenken?

Um’s kurz zu machen: Im Herzen der See ist ein gut gemachter, im positiven Sinne altmodisch inszenierter Seeabenteuerfilm, bei dem die 3D-Technik und der Kinobesuch wieder mal Sinn gemacht haben. Unromantischer hat man die Arbeit auf einem Walfangboot vermutlich noch nie gesehen, von mir aus hätte man das durchaus noch mehr vertiefen können, und auch das Los der Überlebenden der Essex, die drei Monate auf See treiben, kommt mir, v.a.in psychologischer Hinsicht, zu kurz. Da hat „Im Herzen der See“ einiges Potential zu Gunsten der Altersfreigabe verschenkt, für das man sich das langatmige und sentimentale Ende hätte sparen können.

Zu einem absoluten must see kann ich mich daher nicht durchringen, aber es reicht für ein allemal sehenswert und das ging mir schon lange nicht mehr so.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s