Archiv für Januar, 2015

The Homesman

Veröffentlicht: Januar 30, 2015 von robertweber in Einfach spitze

Der beste Film, den das Genre seit Erbarmungslos hervorgebracht hat. Tommy Lee Jones eskortiert vier geisteskranke Frauen durch den Wilden Westen. Unbedingt sehenswert.

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Eine Rekonstruktion des allerersten Computers zu sehen, die so genannte Turing-Bombe (so einen hätte ich gerne), war natürlich den Kinobesuch für sechs Euro wert. Eigentlich ein überdimensionaler Korg MS 20 mit zahlreichen Steckverbindungen, nur, dass man beim MS 20 die Walzen nicht sieht. Ansonsten wird relativ belanglos das Leben von Alan Turing abgehakt.

Quelle: „Bombe-rebuild“. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bombe-rebuild.jpg#mediaviewer/File:Bombe-rebuild.jpg

Quelle: „Bombe-rebuild“. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bombe-rebuild.jpg#mediaviewer/File:Bombe-rebuild.jpg

Um ein bisschen Kunst reinzubringen, hat man Rückblenden in die Schulzeit eingebaut, für gesellschaftliche Relevanz sorgen die berufliche Unterdrückung der Frau in den 40igern und die Strafverfolgung von Homosexuellen (die allerdings in Europa bis weit in die 60iger hineinreicht und auch heute noch in zahlreichen Ländern nicht abgeschafft ist). Cumberbitch spielt nach wie vor den Holmes (und das macht er gut), Keira „Buchstabierfehler“ Knightley tut, was sie am Besten kann, und am Besten kann sie gut aussehen. An mehr werde ich mich Morgen nicht groß erinnern.

Biopics sind natürlich generell eine undankbare Aufgabe, weil man zwar jede Menge weglassen, aber nichts groß dazu erfinden kann. Im Prinzip hätte eine gut gemachte Doku über das Leben von Turing spannender werden können, als ein aufgeblasener Kinofilm.

Fazit: Einige wirklich sehr gelungene Szenen, ansonsten mal was Anderes, mehr aber auch nicht.

Wir spielen Panzergeneral

Veröffentlicht: Januar 14, 2015 von robertweber in Uncategorized

Heute von 21:30 bis 23 Uhr auf Pi-Radio 88,4: Die Trashfilm Radishow mit Dirk Knieriem, Karsten Krampitz, Oz Ordu und Robert Weber.

Herz aus Stahl

Veröffentlicht: Januar 6, 2015 von robertweber in Kann man sehen
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Wer nichts wird wird Offizier – oder Panzergrenadier. Diese alte Wehrmachtsweisheit umschreibt die Handlung von Herz aus Stahl eigentlich recht treffend, oder wie sonst soll ich die Aussage verstehen: „Der Panzer, das ist mein Zuhause.“ Oder: „Panzerfahren und Deutsche töten, das ist der beste Job meines Lebens.“ Überhaupt hat die Besatzung des auf Fury getauften Panzers eine Art homoerotische Beziehung zu ihrem Gefährt, kommt dieses doch, im Vergleich zu dessen Pendant deutscherseits, mit deutlich weiblicheren Zügen daher.

Die Überlegenheit des Königstigers wird aber, entgegen Karstens Befürchtungen, keineswegs in Frage gestellt. Allerdings versteht es die amerikanische Sherman Besatzung, besetzt mit einem narbig geschminkten Brad Pitt (Wardaddy), dem Arsch aus The Walking Dead, irgendeinem versoffenen Mexikaner, einem bibeltreuen Presbiterianer und, wie könnte es anders sein, einem Milchbubi mit Gewissensbissen (von wegen Krieg und Töten, das geht ja gar nicht, da sind die Amerikaner heikel), die größere Manövrierfähigkeit des Shermans auszunutzen und tritt dem Tiger gehörig in den Hintern (der Hintern ist die  Schwachstelle beim Königstiger, wobei wir wieder bei der Homoerotik wären, die ja auch bei Full Metal Jacket eine große Rolle spielt, von wegen, die Braut des Soldaten ist sein Gewehr).

Zu Hintern fällt mir noch ein: Auch die Frage, wie man im Panzer eigentlich seine Notdurft verrichtet, wird in dem halbwegs kurzweiligen Streifen zumindest angerissen, wenn auch nicht vollständig geklärt. Im modernen Panzerkrieg trüge die Besatzung vermutlich Windeln, weil für ein Dixi-Klo selbst im Leopard kein Platz ist. Zumindest Adolf Hitler hatte vermutlich an die Bedürfnisse seiner Panzerbesatzungen gedacht, als er die Entwicklung des P-1000 „Ratte“ in Auftrag gab. Bei 39 Metern Länge und 14 Metern Breite war nicht nur eine Innentoilette vorgesehen, sondern auch Schlafkojen, Duschen, eine Kantine und, auf Hitlers eigenen Vorschlag hin, sogar ein Tischtennisraum.

Comparison_of_Landkreuzer_P_1000_Ratte,_Maus_and_Tiger_tanks

Comparison of the sizes of Landkreuzer P. 1000 Ratte, Maus and Tiger tanks (and a small human figure) .

Quelle: Wikipedia

Angenehm altmodisch erinnert Herz aus Stahl von der Machart her an Band of Brothers.  Etwas patriotisch zum Ende hin, aber sonst mit schönen deutschen Fräuleins, die alle gleich aussehen, gehenkt, im Bett oder am Straßenrand (blond natürlich) und die für eine Tafel Schokolade, ein Spiegelei oder vier Lucky Strikes (eine Schachtel wäre überteuert) alles geben, was das Herz eines G.I.’s begehrt.

Ich kann über Herz aus Stahl nichts wirklich Schlechtes sagen, aber auch nichts wirklich gutes. Mehr Fernsehen als Kino vielleicht, aber immer noch besser, als wenn Fernsehen einen auf Kino macht.

Grundsätzlich rate ich auf den DVD-Start zu warten, das ist billiger und kommt mit Sicherheit auch nicht schlechter rüber als für sechsfuchzig am Kinotag.

Prädikat: Kann man sehen, muss aber nicht sein.

Robert Weber

P.S. Ein künstlerisch wertvollerer Panzerfilm ist vermutlich Lebanon, aber den hab ich nicht gesehen.