Archiv für November, 2014

Die Tribute von Panem – Mockingjay: Teil 1

Veröffentlicht: November 27, 2014 von robertweber in Kann man sehen

Ja ist wirklich nicht schlecht der dritte Teil. Weil ich ich den Ersten richtig gut und den Zweiten ganz ok fand, musste ich natürlich auch in den Aktuellen gehen. Irgendwer meinte leider das es eine gute Idee wäre aus dem Film zwei Episoden zu machen, „bringt doppelt Geld, verstehste“
Hat leider nicht so gut geklappt weshalb der Film unnötige Längen hat. Erst passiert ganze Passagen lang eigentlich gar nichts und dann endet der Streifen auch noch mit einem üblen Cliffhanger und wie müssen noch mal ein Jahr warten.
Die schauspielerische Leistung fand ich aber von den meisten Beteiligten gut. Woody Harrelsons Part wurde leider stark runtergefahren, dabei war er in den ersten beiden Teilen eigentlich immer ein Höhepunkt. Drogen-und Alkoholabhängige zu spielen das hat er eben drauf 😉 Da hatte ja die Hauskatze der Everdeens mehr Auftritte. Julianne Moore fand ich sogar richtig gut besetzt. Der einzige echte Ausfall ist der Typ dessen Bruder immer den Thor spielt: Liam Hemsworth.
Die Geschichte dreht sich eigentlich um einen Propaganda-und Medienkrieg, wo beide Seiten versuchen das Meiste aus ihren jeweiligen Galionsfiguren rauszuholen. Da ist Jennifer Lawrence als Katniss Everdeen auf der einen Seite und für die Nazis vom Kapitol muss Josh Hutcherson als Peeta Mellark herhalten und natürlich stellen die auch fiese Sachen mit ihm an bis er die richtigen Propagandatexte aufsagt. Es geht eben um das Aufrütteln der Leute, sie vom Widerstand zu überzeugen oder eben kleinzuhalten, je nach Seite.
Und das wird gut erzählt. Das merkt man auch daran das die echten Diktaturen schon ein bisschen zickig auf den Film reagiert haben. In Thailand zum Beispiel wurde der Film gleich wieder aus den Kinos genommen nachdem Studenten das Protestzeichen aus den Filmen ins reale Leben übernommen haben. China hat dann gleich mal nachgezogen.
Hmm sonst noch was? Na ja die Actionszenen fand ich ein bisschen dürftig, da ist man inzwischen wirklich bessere CGI-Sequenzen gewöhnt.
Wer die ersten beiden Teile gesehen hat sollte sich auch den Neuen ankucken, wer allerdings von den Filmen oder Büchern noch nie was gehört hat, den wird der 3/1. Teil wohl eher nerven.
Mich jedenfalls haben sie mit dem Splitten von dem Film in die Konsumfalle gelockt, ich werd jetzt mal den 3. Band lesen damit ich weiß wer am Ende übrig bleibt und ob der olle Präsident Snow auch ordnungsgemäß kaltgemacht wird.

Dirk Knieriem

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Zum Glück gibt es nicht noch eine Wiederholung der Hungergames, die im zweiten Teil schon etwas überflüssig wirkte, sondern hier geht es, nach einer etwas zähen Eröffnung, dann gleich in die Vollen. Revolutionsmarketing vs. Staatspropaganda ist das Grundthema von Mockingjay und natürlich fühlt man sich sofort an aktuelle Krisengebiete und die mehr als tendenziöse Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland bzw. dem Propagandamaterial aus der Ukraine (wahlweise Russland) erinnert, was dem Film die politische Dimension gibt, die er braucht, um sich aus dem allgemeinen Blockbusterbrei abzuheben.

Hervorzuheben die großartige (überraschend blonde) Julianne Moore als weiblicher Gegenpart des fiesen und aus dem Mund stinkenen Präsidenten Snow und natürlich Phillip Seymore Hoffman in seiner letzten Rolle, hier als gewiefter Propagandaspezialist im Dienste des unterdrückten Volkes von Panem. Neben diesen beiden sieht Hauptdarstellerin Jennifer Lawrence etwas blaß aus, von den anderen Figuren ganz zu schweigen.

Ansonsten ist Mockingjay beste Kinounterhaltung, gut abgeschmeckt mit gesellschafts-/medien-/ kapitalismuskritischer Message. Alleine die unnötige Anhäufung von Cliffhangern gegen Ende des Filmes hinterlassen einen etwas faden Nachgeschmack.

Was bleibt ist die Vorfreude auf das dicke Ende, das leider erst November 2015 in die Kinos kommt.

Robert Weber

Die Trashfilm-Radioshow

Veröffentlicht: November 19, 2014 von robertweber in Uncategorized

Heute auf Pi-Radio 88,4. 21:30 Uhr bis 23 Uhr. Wie immer mit Karsten Krampitz, Dirk Knieriem, Oz Ordu und mir. Wir balgen uns um Wurmlöcher, Zeitreisen, Schrödingers Katze und was uns sonst noch so alles zu „Interstellar“ einfallen mag. Stay tuned.

Interstellar

Veröffentlicht: November 11, 2014 von robertweber in Einfach spitze
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Grundsätzlich hat Interstellar alles, was ein mies gemachter Hollywoodschinken braucht: Das Familiendrama, das Pathos, die Überlänge, die Musik von Hans Zimmer und die Message, dass die Liebe schon alles richten wird. Dennoch ist der neue Nolan einer der besten und intelligentesten Science Fiction Filme, die ich bislang gesehen habe. Spannend obendrein. Vergleiche wären sinnlos, selbst zu 2001, denn der kommt deutlich dröger daher und auch langatmiger.

Sicher, Interstellar ist lang, so lang wie möglich und so kurz wie nötig, kürzer könnte man die Geschichte, trotz einiger Längen, aber kaum erzählen. Richtig, der Film ist pathetisch, wahr ist aber auch, dass das Pathetische durch die schauspielerische Leistung der Darsteller glaubwürdig daherkommt. Und ja, den Familienscheiß habe ich in Filmen aus Amerika grunsätzlich satt, aber hier ist es keine aufgesetzte Tränendrüsennummer, sondern ein elementarer Bestandteil der Geschichte. Über die Musik von Hans Zimmer kann man sich streiten, die wirkt manchmal wie ein Napalmteppich, der über einen Ameisenhaufen abgeworfen wird, aber im Großen und Ganzen völlig ok; und was die Liebe betrifft – den Glauben daran habe ich, vorläufig jedenfalls, verloren, von daher erscheint mir das als Lösung aller Probleme (speziell der quantenphysikalischen über Raum und Zeit hinweg) doch überzogen. Über die Handlung verliere ich kein Wort, die kann man auch googlen.

Vielleicht nur so viel: Geometrische Roboter in rechteckiger Würfelform rollen über die Leinwand, programmiert auf Humor (75%), Wahrheit (90%) und Diskretion (100%). Wer das jetzt widersprüchlich findet, hat die Quantenphysik nicht verstanden, ob sie überhaupt jemand versteht, ist allerdings umstritten. Kugelförmige Wurmlöcher, Relativitäts- und Quantentheorie, Zeitreiseparadoxon, Weltuntergang und Singularität bilden die Grundlagen für ein abgedrehtes Drehbuch, das von Nolan, ganz ohne 3D Schnickschnack, in beeindruckenden Bildern umgesetzt wurde. Unbedingt sehenswert, aber eine Pinkelpause einplanen.

Robert Weber