Noah – Von Robert Weber

Veröffentlicht: April 8, 2014 von robertweber in Trash
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Kain erschlägt Abel und läutet danach die Industrialisierung ein, während der dritte Bruder, Set, von dem bislang kaum jemand was gehört hat, in die Einöde geht, um sich von Moos und Beeren zu ernähren. Sein Sohn Noah tut es ihm gleich und trotzt jeder ernährungswissenschaftlichen Erkenntnis. Statt unter- und mangelernährt schiebt sich Russel Crowe muskelbepackt und übergewichtig als Noah in Noah durch die Landschaft, darf, zu seiner Paraderolle zurückkehrend, wieder mal eine abgebrochene Pfeilspitze aus dem Staub fischen und damit drei Fleisch fressende Feinde erlegen. Soll wohl heißen, Noah ist der Gladiator Gottes. Sein böser Gegenspieler Tubal-Kain (Tubal der Schmied) wiederum wirkt, als hätte man ihn aus der Filmhandlung von Troja entrissen. Statur, Kostüm, Maske, Gestik und Mimik lassen zumindest keine Unterschiede zum bösen König Agamemnon erkennen. Schließlich dürfen auch noch aus Herr der Ringe entliehene Trolle mitmischen, die zu versteinerten Ents mutiert sind, vermutlich aufgrund der Umweltverschmutzung durch die von Kain hervorgerufene Industrialisierung. Diese Ent-Trolle sind denn auch die eigentlichen Baumeister der Arche und verteidigen diese später Peter-Jackson-mäßig in der obligatorischen Massenschlachtszene gegen den Ansturm der Horden des Tubal Kains.

Ziemlich banal, nicht gerade bibelfest und optisch meist uninteressant plätschert Noah der ersehnten Sinnflut entgegen. Endlich, so denkt man, passiert mal was. Was dann passiert ist allerdings ein Witz. Da waren die Wassermassen in Der Sturm deutlich beeindruckender.

Der Rest dreht sich um heulende Frauen, kreischende Babys, Familienstreitigkeiten und die Nöte eines jungen Mannes namens Ham, der in seinem Leben wohl niemals ficken wird, weil in Aronowskys Version die Ehefrau fehlt, die in der Originalfassung (1. Buch Mose) noch mit an Bord ist, ebenso die Frau von Jafet, des dritten Sohnes von Noah (Ham ist der zweite, Sem der erste). Nach Aronowsky gibt es nach der Sinnflut an möglichen Sexualpartnern nur Noahs Frau und seine Adoptivtochter, die ist allerdings schon mit Sem liiert. Ham und Jafet sind zum Zölibat verdammt, oder zum Inzest.

Denn Ham und  Jafet könnten sich natürlich mit den beiden neugeborenen Töchtern von Sem zusammentun, wenn sie mal groß sind (in Wirklichkeit hatte Sem fünf Söhne), aber ich glaube, Sem hätte damit so seine Probleme, dass seine Brüder mit seinen Töchtern -, und so schnappt sich Ham frustriert seinen Tramperrucksack und trekkt in die menschenleere Ferne (vermutlich auf der Suche nach Schafen), während Noah und der Rest der Blase endlich auf den Trichter mit dem Ackerbau kommen.

Bibelforscher vertreten die Position, dass Ham seinen Vater Noah vergewaltigte, als er ihn betrunken und nackt am Strand liegen sah („und siehe, er sah sein Weib“), und er deshalb verflucht und verstoßen wurde. Laut Talmud soll Ham seinen Vater nicht nur bestiegen, sondern im Anschluss auch noch kastriert haben. Was lief da ab auf der Arche zwischen Noah und Ham? Oder schon vorher? Kindesmissbrauch? Was Ödipales? Was für ein Konflikt! Was für ein Film wäre das geworden! Wo bleibt Lars von Trier, wenn man ihn braucht? In Aronowskys Fassung hat Ham nur dicke Eier. Aber Schwamm drüber. Zumindest von Aronowsky wird Noah gründlich durchgenudelt.

Rein urheberrechtlich hätte man im Abspann wenigstens erwähnen müssen, dass die Storyline von Moses stammt, der die Idee wiederum von Gott hatte. So steht da aber nur: Buch – Darren Aronowsky und Ari Handel, und das ist selbst für einen Atheisten wie mich die reinste Blasphemie.

 

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