Archiv für April, 2014

Nach Sinnflut und Eiszeit herrscht derzeit absolute Dürre im Kino. Spiderman 2 (also nicht der alte Spiderman 2, sondern der neue, der nach Spiderman 3),  Captain America 2 und Transcendence sind selbst uns zu doof, da lesen wir lieber Comics. Mit Tragödien, Liebesfilmen und Komödien lassen wir uns auch nicht quälen, daher hat uns die Filmindustrie bis Godzilla eine Zwangspause verordnet. Wir bitten unsere Leser, dies zu entschuldigen.

Ein Trost allerdings ist unser Relaunch der Trashfilm Radioshow am 07.05. auf Pi-Radio mit dem Thema „Klassenkampf im Kino oder Gott hasst Weicheier“. Unser Vorsatz: Mehr Blut und weniger Gelaber.

Stay tuned.

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Ich höre sie schon kreischen, die Pastorentöchter, das eine könne man nicht mit dem anderen vergleichen, ich aber sage: Das geht. Man sollte es sogar tun, weil sich an beiden Filmen zwei unterschiedliche Kasten Filmemacher und Kinogänger festmachen lassen. (Ein Bindeglied zwischen beiden Filmen stellt zudem die anbetungswürdige Tilda Swinton dar.)

Hier haben wir auf der einen Seite Wes Anderson mit seinem  zusammengeklauten, biederen und spießigen Machwerk „Grand Budapest Hotel“, und auf der anderen „Snowpiercer“, der sich nicht vampiristisch von den Leistungen der Filmgeschichte nährt, die andere vor ihm erbracht haben, und sich dabei noch erdreistet, das als Hommage oder Zitat zu verkaufen, sondern einen Streifen, der sich aus aberwitzigen Ideen und einer Bildsprache speist, die origineller sind, als das ganze, bisherige Oeuvre von Anderson zusammengenommen; Snowpiercer von Bong Joon-ho, das Beste, was ich seit langem gesehen habe (American Hustle mal ausgenommen). Beide Regisseure/Filme beziehen zudem eindeutig Stellung, und auf welche Seite sich der Zuschauer schlägt, bleibt diesem überlassen.

Wes Anderson sitzt mit seinem verkitschten und pseudointellektuellen Gefälligkeitskino im vorderen Abteil des Zuges, der 1. Klasse, quasi per Geburtsrecht, und bedient, vielleicht nicht einfältig aber einfallslos, in jedem Falle aber System erhaltend seine Zielgruppe: Gehobenes, gutbetuchtes, intellektuelles Mittelmaß, das nichts dabei findet, seine Doktorarbeiten aus nicht gekennzeichneten Textstellen anderer zusammenzuklauben und sich von Mami und Pappi das Geld und die vermeintliche Bildung hat in den Arsch schieben lassen. Im hinteren Teil des Zuges, der dritten Klasse, finden wir Bong Joon-ho mit der kalten, gewalttätigen Wucht eines Eisbrechers, einen Fürsprecher der mittellosen aber nicht dummen Unterschicht, vielleicht nicht belesen, von vorneherein chancenlos aber mit dem unbedingten Willen, die eigene Situation zu verbessern, zum Schrecken der Pastorentöchter, die den Status Quo für immer zementiert sehen möchten.

Anderson will witzig sein, Joon-ho ist es. Joon-ho hat es, im Gegensatz zu Anderson, auch nicht nötig, zu klauen (Verzeihung, zu zitieren). Wenn man möchte, und ich möchte, findet man in einer Szene Anklänge an „Old Boy“ seines Landsmannes Park Chan-woo, der, davon kann man ausgehen, mit Sicherheit nichts dagegen hatte, dafür ist Südkorea zu klein und die Filmemacherszene zu intensiv miteinander verwoben.

„Es gibt eine Sache, für die ich mich hasse: Ich weiß, wie Menschenfleisch schmeckt, und das Fleisch von Babys schmeckt am besten“, sagt der Held des Filmes, gespielt von Chris Evans (Captain Amerika) und allein dafür muss man ihn lieben. Und wieder kreischen die Pastorentöchter, und dafür liebe ich Bong Joon-ho.

Wer Snowpiercer gesehen hat und Grand Budapest Hotel danach immer noch für mehr als einen mittelmäßigen Film hält, dem ist nicht mehr zu helfen. Der wird solange in seinem erste Klasse Abteil an der Spitze des Zuges sitzen, mit abgespreizten Fingern seinen Himalayahochlanddarjeeling aus biologischen Anbau trinken und versonnen über den Zustand der Welt vor sich hinlächeln, bis ihm eine rostige Axt, geführt von den schwieligen Händen eines halb verhungerten Heizers aus der dritten Klasse, den Rücken spaltet.

9 von 10 möglichen Punkten.

Robert Weber

Stellenausschreibung Trashfilm

Veröffentlicht: April 13, 2014 von robertweber in Uncategorized

Wir verschleißen unsere Gastkritiker schneller, als wir sie rekrutieren können. Rumen, Claudia, Marion, Anika – alle haben nach kurzer Zeit das Handtuch geschmissen. Woran das liegt, darüber hüllen wir uns in Schweigen. Jedenfalls suchen wir im Moment zumindest einen, der Karstens kontinuierliche Ausfallserscheinungen halbweges abfedert.

Unser Anforderungsprofil: Du stehst auf schlechte Filme und bist bereit, dafür auch noch Eintritt zu zahlen. Du investierst demgemäß Geld und kostbare Lebenszeit, um völlig unentgeltlich über Scheiß-Filme Scheiß-Kritiken zu verfassen, die niemand lesen will. Du blamierst Dich mit uns in einer Radiosendung, weil Du eigentlich null Ahnung hast, genau wie wir und lässt Dich dafür auch noch anpöbeln.

Aus paritätischen Gründen bevorzugen wir Frauen, die gut aussehen, kinderlos und Single sind, Hunde, Pferde und Katzen hassen, eine große Klappe aber nichts zu sagen haben, das aber fundiert und mit pseudointellektuellem Anschpruch.

Emotionale Belastbarkeit, Eloquenz, Streitlust und im besten Falle ein Hang zur Promiskuität sind vorteilhaft.

Kurz, wir suchen Dich. Bewerbungen unter Kommentarfunktion.

Euer Trashfilm -äh, Team.

Noah – Von Marion Pfaus

Veröffentlicht: April 8, 2014 von rigoletti in Trash
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Wer oder was ist unschuldig? Diese Frage wird sich wohl nie klären. Sie klärt sich auch nicht in dieser Literaturverfilmung vom meisten Buch der Welt.

Noah soll die Unschuldigen retten. Er selbst, ein Unschuldiger? Nein, sagt er mitten im Film und will folglich sich und seine Nachkommen aussterben lassen. Warum kein erweiterter Suizid? Er mordet ja sonst auch, wenn er Unschuld gegen Schuld verteidigen muss. Vielleicht weil er die Arche noch steuern muss? Aber die Arche wird gar nicht gesteuert, die treibt dahin über die untergegangene Welt bis sie irgendwann irgendwo andotzt.

Bis zur Landung der Arche in der neuen Welt haben wir Bibelnachhilfe. Am Anfang war die Schlange. Kain und Abel hatten noch einen Bruder: Set. Und da Kain den Abel erschlagen hatte und dadurch mitsamt den Nachkommen todsündig dem Verderben anheim fiel, lebte das Gute nur in Set und dessen Nachkommen fort. Wie zum Beispiel in Noah. Der aller aller aller größte Teil der Restwelt wurde regiert vom Bösen. Schuld durch Gewalt, Hunger, Not, Missgunst und Fleischessen.

Unschuldig ist, wer kein Fleisch isst?

Zusätzliche Not bringen die gefallenen Engel genannt Wächter. Licht wurde zu Stein. Die Steingewordenen richten sich auf wie Transformers nur nicht ganz so geschmeidig. Und die Transformers schlagen am liebsten Menschen tot, ob schuldig oder nicht.

Bibelstunde. Methusalem ist der Großvater Noahs, also der Urgroßvater von Noahs Söhnen: Sem, Ham und Jafet. Soviel zur Werktreue. Alles weitere ist Fiktion.

Das Kind Noah muss während einer Geburtsgnadenzeremonie mit glitzernder Schlangenhaut um den Vaterarm, mit ansehen, wie sein Vater Lamech (Nachhilfe) von den Kain’schen gemeuchelt wird. Die Schlangenhaut geht dabei an den Feind.

Der Mord an Vater und/oder Mutter, bei dem Kinder unfreiwillig Zeuge werden, ist ein beliebtes Motiv, das gemäß Hollywoodregel einige Jahre später zu bitterer Rache führt. So hier nicht. Vielleicht ist das Unschuld.

Illegale Fotografie

Nordlicht?

Noah hält sich und seine Familie von der Zivilisation fern, um den Söhnen die Unschuld zu bewahren. Dort in der staubigen Einöde töten sie keine Tiere, aber was es ansonsten zu essen gibt, bleibt ein Rätsel. Fällt ein Tropfen aus dem blauen Himmel wächst sofort ein Blümelein. Die nahende Sintflut zwingt die Unschuldigen hinaus in die böse Welt. Es kommt zu Konfrontationen und weiteren Wundern, zum Beispiel dem, dass die Steintransformers den Noahs das Leben retten und auch noch beim Bau der Arche helfen. Und damit sie eine Arche bauen können, wächst zack zack ein Wald zum Abholzen empor.

Weiter geht’s in der Bibelstunde. Paarweise kommen sie an. Die Vögel sind die ersten. In Spiralformation fliegen sie sich selbst hinein in ihre Nester, wo sie sogleich von Noahs Frau Naameh (Nachhilfe) in einen Dauerschlaf geweihräuchert werden. Dann kommen die Schlangen, dann die Vierbeiner, Fische kommen keine, Insekten auch nicht, und alle legen sich sofort und für den Rest des Films schlafen. So bildet sich schon keine Nahrungskette.

Als der Regen einsetzt, kommen aber auch die Schuldigen und nicht nur paarweise sondern in ganzen Gruppen mit Waffen an den Händen. Diese Waffen haben sie in wochenlanger Arbeit für diesen Einsatz geschmiedet. Warum haben sie keine Schiffe gebaut? Schwerter zu Schiffen – nun ist es zu spät. Die Transformers wehren die Bewaffneten ab. Rums di Bums. Sie kämpfen bis sie explosionsartig sterben und wieder Licht geworden gen Himmel sausen. Peng, schon wieder ragt eine Lichtsäule. Im Vordergrund, im Hintergrund. Jetzt sind alle tot äh erlöst. Dem Chef-Schuldigen gelingt es, die Arche noch rechtzeitig zu entern. Der Rest der Menschheit wird von der Flut hinweggerissen. Auch Methusalem beendet im Wasser sein 969 Jahre langes Leben.

Die Sintflut regnet nicht nur von oben sondern schießt in gewaltigen Fontänen von unten und wälzt sich als Riesenmonsterwelle von allen Seiten. Heiliger Bimbam.

In der Arche tobt derweil der Generationskonflikt, weil alle außer den Söhnen ein Paar bilden durften. Nur Sem hat seine Freundin Ila bei sich, weil die unfruchtbar ist. Das wissen wir und Noah weiß das auch. Denn Ila ist als Findelmädchen mit großer Unterbauchwunde zur Familie gekommen. Noah weiß aber nicht, was wir wissen. Methusalem heilte Ila, die unmittelbar nach ihrer Heilung über Sem hergefallen ist. Mitten im Wald hat sie die Unschuld verloren.

Jetzt auf der Arche sind alle in der Bredouille und es folgen ein großer Familienkrach und wieder Mord und Totschlag. Wer wen totschlägt und wer wen nicht, erfahren Sie in Ihrem Filmtheater. Soviel verrat ich: Die glitzernde Schlangenhaut vom Anfang landet am Ende an Noahs Arm.

Wir haben den Film in 3D gesehen, was völlig unnötig ist, denn wer sitzt schon gern im Regen.

 

Robert analysiert das Bibel-Drama so.

Noah – Von Robert Weber

Veröffentlicht: April 8, 2014 von robertweber in Trash
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Kain erschlägt Abel und läutet danach die Industrialisierung ein, während der dritte Bruder, Set, von dem bislang kaum jemand was gehört hat, in die Einöde geht, um sich von Moos und Beeren zu ernähren. Sein Sohn Noah tut es ihm gleich und trotzt jeder ernährungswissenschaftlichen Erkenntnis. Statt unter- und mangelernährt schiebt sich Russel Crowe muskelbepackt und übergewichtig als Noah in Noah durch die Landschaft, darf, zu seiner Paraderolle zurückkehrend, wieder mal eine abgebrochene Pfeilspitze aus dem Staub fischen und damit drei Fleisch fressende Feinde erlegen. Soll wohl heißen, Noah ist der Gladiator Gottes. Sein böser Gegenspieler Tubal-Kain (Tubal der Schmied) wiederum wirkt, als hätte man ihn aus der Filmhandlung von Troja entrissen. Statur, Kostüm, Maske, Gestik und Mimik lassen zumindest keine Unterschiede zum bösen König Agamemnon erkennen. Schließlich dürfen auch noch aus Herr der Ringe entliehene Trolle mitmischen, die zu versteinerten Ents mutiert sind, vermutlich aufgrund der Umweltverschmutzung durch die von Kain hervorgerufene Industrialisierung. Diese Ent-Trolle sind denn auch die eigentlichen Baumeister der Arche und verteidigen diese später Peter-Jackson-mäßig in der obligatorischen Massenschlachtszene gegen den Ansturm der Horden des Tubal Kains.

Ziemlich banal, nicht gerade bibelfest und optisch meist uninteressant plätschert Noah der ersehnten Sinnflut entgegen. Endlich, so denkt man, passiert mal was. Was dann passiert ist allerdings ein Witz. Da waren die Wassermassen in Der Sturm deutlich beeindruckender.

Der Rest dreht sich um heulende Frauen, kreischende Babys, Familienstreitigkeiten und die Nöte eines jungen Mannes namens Ham, der in seinem Leben wohl niemals ficken wird, weil in Aronowskys Version die Ehefrau fehlt, die in der Originalfassung (1. Buch Mose) noch mit an Bord ist, ebenso die Frau von Jafet, des dritten Sohnes von Noah (Ham ist der zweite, Sem der erste). Nach Aronowsky gibt es nach der Sinnflut an möglichen Sexualpartnern nur Noahs Frau und seine Adoptivtochter, die ist allerdings schon mit Sem liiert. Ham und Jafet sind zum Zölibat verdammt, oder zum Inzest.

Denn Ham und  Jafet könnten sich natürlich mit den beiden neugeborenen Töchtern von Sem zusammentun, wenn sie mal groß sind (in Wirklichkeit hatte Sem fünf Söhne), aber ich glaube, Sem hätte damit so seine Probleme, dass seine Brüder mit seinen Töchtern -, und so schnappt sich Ham frustriert seinen Tramperrucksack und trekkt in die menschenleere Ferne (vermutlich auf der Suche nach Schafen), während Noah und der Rest der Blase endlich auf den Trichter mit dem Ackerbau kommen.

Bibelforscher vertreten die Position, dass Ham seinen Vater Noah vergewaltigte, als er ihn betrunken und nackt am Strand liegen sah („und siehe, er sah sein Weib“), und er deshalb verflucht und verstoßen wurde. Laut Talmud soll Ham seinen Vater nicht nur bestiegen, sondern im Anschluss auch noch kastriert haben. Was lief da ab auf der Arche zwischen Noah und Ham? Oder schon vorher? Kindesmissbrauch? Was Ödipales? Was für ein Konflikt! Was für ein Film wäre das geworden! Wo bleibt Lars von Trier, wenn man ihn braucht? In Aronowskys Fassung hat Ham nur dicke Eier. Aber Schwamm drüber. Zumindest von Aronowsky wird Noah gründlich durchgenudelt.

Rein urheberrechtlich hätte man im Abspann wenigstens erwähnen müssen, dass die Storyline von Moses stammt, der die Idee wiederum von Gott hatte. So steht da aber nur: Buch – Darren Aronowsky und Ari Handel, und das ist selbst für einen Atheisten wie mich die reinste Blasphemie.