Non-Stop – Von Marion Pfaus

Veröffentlicht: März 28, 2014 von rigoletti in Trash
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Non-Stop ist von der ersten Sekunde an spannend, da wir (und wenn ich wir sage, meine ich mich) schon wissen, was passieren wird. Naja so ungefähr. Wir haben die Vorschau gesehen. Alle 20 Minuten stirbt an Bord eines Flugzeugs ein Mensch und Liam Neeson als flugbegleitender Air Marshal wird verdächtigt, das ganze angezettelt zu haben.

Ich wusste bis heute nichts von der Existenz der Air Marshals und glaube jetzt mal, dass es die tatsächlich gibt. Zum gesteigerten Sicherheitsbedürfnis der Amerikaner passt’s, ich recherchiere das also nicht, das könnt ihr machen (und wenn ich ihr sage, meine ich dich).

Es geht ins Flugzeug. Das Setting nach Abflug ist klar. Vorm Abflug wird uns der Air Marshal als gebrochener Mann mit Alkoholproblem vorgestellt. Während des Abflugs hat er Angst. Er hat keine Flugangst, eher Startangst. Also über den Wolken wäre alles gut, kämen da nicht dauernd diese bösen SMSe mit den bösen Drohungen. Und tatsächlich wird an Bord pünktlich gestorben. Zu allem Übel halten fast alle den Air Marshal für den Übeltäter. Nur wir und Julianne Moore glauben an den armen Mann.

Julianne Moore und Liam Neeson sind ein super Hollywoodpaar. Da sollte noch einiges auf uns zu kommen. Hallo Hollywood, hörst du mich? Mit dem demografischen Wandel steigt die Nachfrage nach älteren Liebespaaren. Es müssen nicht immer Leonardo DiCaprio und Kate Winslet sein.

Wieder an Bord. Die Kreisfahrten der Kamera irritieren mich, denn sofort stelle ich mir vor, welche und wie viele Flugzeugsitze für diese Fahrten abmontiert werden mussten. Wo stehen die rum? Einzeln oder als Reihe? Wer baut sie wann wieder ein? Oder werden die Fahrten ganz am Schluss gedreht und die Sitze landen direkt nach Abmontage beim Fundus? Oder dürfen gar die Setpraktikanten jeweils einen mit nach Hause nehmen? Die Sitze sind nämlich ganz außerordentlich. Zumindest die der Business Class. Komfortable Sitz- und Liegeschalen. Riesig. Aber sehr hässlich, finde ich. Ich würde so einen Sessel nicht zu Hause haben wollen.

Das Katastrophenszenario entwickelt sich rasant, schon kommt des Marshals Konterfei im Fernsehen, im Bordfernsehen. Kurz entsteht so was wie eine Bordrevolution, die die guten gewinnen. Nach einer kurzen total authentisch wirkenden Marshal-Ansprache wendet sich das Blatt und der Marshal wird ab sofort unterstützt beim Bombe entschärfen, zumindest drinnen im Flugzeug während draußen die Kampfjets eskortieren.

Der Plot ist ganz schön zusammengeschustert. Terror ist klar, aber wieso ein scheinbar vom eigenen amerikanischen Sicherheitspersonal zum Absturz gebrachtes Flugzeug 3000 Leute (die vom World Trade Center?) rächen könnte, versteh ich nicht. Da wird was gefaselt von Land beschützen und trotzdem schutzlos und nichts habe sich geändert. Die Terroristen sind echte Amerikaner, ein abgerissener Weißer und ein schnieker Schwarzer, beide womöglich mit Kriegstraumata belastet. (Afghanistan, Irak?) Mit im Boot bzw. Flugzeug saß noch des Marshals Marshalkollege, der aber schon seit geraumer Zeit tot in der Ecke des Flugzeugklos klemmt.

Das ist die übliche Propaganda, Gott schützt Amerika, Amerika schützt Amerika, Air Marshals schützen Amerika. Beinahe wär’s schon wieder schief gegangen. Und apropos Propaganda. An Bord sitzt ein vollbärtiger Mann mit Takke und wird aufgrund dieser Äußerlichkeiten angefeindet. Der Mann ist aber Arzt und darf seinen Arztberuf oben in der Luft an den Sterbenden ausüben, obwohl er in der Praxis gar kein praktizierender Arzt sondern spezialisierter Molekularforscher ist. Diese Detail-Information trägt nix zur Handlung bei, ist aber wichtig, denn alle sollen wissen: auch Moslems haben gut arbeitende Gehirne. Jeder Terrorist ist ein Moslem. Aber nicht jeder Moslem ist ein Terrorist. Meine Damen und Herren.

Dieser Film wird bald als Free-TV-Premiere zu sehen sein. Dann werde ich ihn mir vielleicht im Rahmen eines verzappten Samstagabends noch mal anschauen. Überhaupt könnte man sich inzwischen einen ganzen Liam-Neeson-Fernsehabend vorstellen. Man zappt in allen Programmen auf die gleiche Fresse. So wie es Bruce-Willis- oder Nicolas-Cage-Abende gibt. In den Werbeunterbrechungen schmier ich Stullen, häng die Wäsche auf und telefonier mit meiner Mutter. Obwohl, dafür ist es dann vielleicht zu spät.

Kinoleinwandbeleuchtung (Lichtinstallation, stumm)

Kinoleinwandbeleuchtung
(Lichtinstallation, stumm)

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Kommentare
  1. robertweber sagt:

    Die neue Kategorie find ich gut (passt sicher auch zu „Noah“). Ich schlage noch „Mädchenfilm“ vor

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