Grand Budapest Hotel – Von Claudia Mair

Veröffentlicht: März 26, 2014 von robertweber in Sollte man sehen
Schlagwörter:, ,

„Günther wurde in den Katakomben gemeuchelt.“

Ich kann das bezeugen, ich hab’s gesehen. Leider haben Zeugen in dieser Geschichte kein langes Leben …

Aber sollte ich auch ungewöhnlich früh und auf unappetitliche Weise dank Willem Dafoe das Zeitliche segnen,  ich bereue es nicht, Zeugin dieser unerhörten Ereignisse geworden zu sein.  Denn ich habe mich verliebt in diesen Film und in seine Protagonisten, den Hotelchef Gustave und seinen Lobby Boy Zéro. Deshalb würde ich es auch vorziehen, nicht in den Katakomben oder in einem finsteren Berliner Hinterhof gemeuchelt zu werden, bevor ich das nahezu biblische Alter erreicht habe, das mich für Gustave reizvoll machen würde. Vielleicht sollte ich mir von Tilda Swinton die Adresse ihrer Maskenbildnerin geben lassen, um den Reifungsprozess optisch zu beschleunigen.

Nicht nur die liebenswerten Charaktere haben es mir angetan, auch das verspielte Ambiente und die gedrechselten Sätze von Gustave, bei denen die Synapsen im Hirn vor Begeisterung zu blinken beginnen. Dieser Film wirkt wie eine üppig in Blüte stehende Sprach-Oase in einer Zeit, in der Adjektive in äußerst schlechtem Ruf stehen und die Sätze in Romanen immer kürzer werden.  Wen wundert‘s da, dass dieser Film von Schriften Stefan Zweigs inspiriert wurde. Ich habe den Duft des parfümierten Gustave und seines Wortpotpourris jedenfalls  immer noch in der Nase – denn man braucht kein Duft Kino, um die sinnliche Phantasie des Zuschauers anzusprechen, wie dieser zauberhafte Film beweist, der auf seine skurrile Art poetisch und äußerst vergnüglich ist.

Zu den Zutaten dieses in seiner Leichtigkeit so kunstvollen Films gehört auch eine Mischung illustrer Schauspieler wie Tilda Swinton und Adrien Brody, die sich von ihrer besten Seite zeigen. Das gilt auch für den vielversprechenden Newcomer Tony Revolori . Willem Dafoe gibt, wie schon erwähnt, den gruseligen Killer, der die elegantesten Ski-Schuhe trägt, die ich je gesehen habe. Überhaupt ist alles eigenartig stilvoll, dafür sorgt nicht zuletzt der schnurrbärtige Gustave (Ralph Fiennes), der  anachronistische Held, der selbst in den brenzligsten Situationen Zeit findet für Gedenkminuten und Poesie. Wir sollten es ihm gleich tun, dann würden sich wohl einige Dramen im Leben auf angenehme Art relativieren.

Advertisements
Kommentare
  1. […] hat Robert über diesen Kinobesuch geschrieben und dies ist sein Verriss zum Hotel, während Claudia offensichtlich auch Wes-Anderson-Fan geworden […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s