Grand Budapest Hotel – Von Marion Pfaus

Veröffentlicht: März 18, 2014 von rigoletti in Sollte man sehen

Das Grand Budapest Hotel ist ein typischer Wes Anderson. Das Grand Budapest Hotel ist kein typischer Wes Anderson. Typisch, weil die Figuren allesamt Schrullen sind, aufrecht und aufrichtig. Untypisch, weil sie nicht schrullig genug sind. Da ginge doch noch viel mehr.

Wes Anderson beschwört mit seinem Schrullenensemble (siehe Tabelle) und den dazu gebuchten Gastschrullen immer wieder eine Filmwelt voller Visionen, von denen man in der Wirklichwelt schon als Kind entwöhnt wird. 

wes_anderson_tabelle

Voll der Visionen ist auch das Grand Budapest Hotel. Untypisch ist, dass Wes hier eine Zeitreise macht. Sonst sind seine Filme im hier und jetzt oder im nirgendwo angesiedelt. Beim Grand Budapest Hotel sind’s die 30er Jahre mit dem sich anbahnenden Nazikrieg. Ebenso untypisch ist, dass Wes Andersen seinen Film nach Europa verlegt. Normalerweise blicken wir in typisch amerikanische Abgründe.

Der Concierge M. Gustave (Gastschrulle Ralph Fiennes), ein- und ausgeführt über die Verschachtelung, dass eine junge Frau die Büste eines Schreibers bewundert, der leibhaftig im Jahr 1985 der Kamera seine Memoiren vorliest und darin von der 1968 stattgefundenen Begegnung mit dem Besitzer des Grand Budapest Hotels berichtet, der beim damaligen Abendessen seine Lebens- und Hotelgeschichte erzählt und dabei Monsieur Gustav und seinen Lobby Boy Zero, das jugendliche Alter Ego des Besitzers, zum Leben erweckt.

Ein t(d)olles Leben lebt der Concierge als diskreter Freund und Wächter seiner Gäste und Liebhaber reicher alter Damen. Bis eine von ihnen stirbt. Er erbt beträchtliches, wird aber von den erbschleichenden Nachkommen des Mordes bezichtigt und flieht und wird gefangen und flieht wieder, den ergebenen Zero immer an seiner Seite. Haarsträubende Szenen. Brillante Schrullendarsteller. Grandios geführte Kamera. Die Kamera ist ebenfalls Darsteller, Schrulle. Sie fährt immer mit, zoomt ran und schwenkt zackig vor oder hinterher. Und das ist typisch für Wes Anderson, die zentralen Perspektiven, die Symmetrie im Bild, die 90°-Schwenks, die punktgenauen Zooms. Und selbstverständlich sind die Bilder bis ins Details durchkomponiert.

Der Film ist toll, witzig, Komödie, Krimi und Märchen. Einfach bezaubernd. Trotzdem geh ich ein wenig enttäuscht aus dem Kino. Schon im Vorfeld war ich bereit, aus Görliwood (neudeutsch für Görlitz), wo der Film in einem alten Kaufhaus gedreht wurde, einen Kult zu initiieren und eine Reisegruppe dorthin zusammenzustellen. Aber jetzt will ich gar nicht mehr nach Görlitz. Der Film war mir nicht schrullig genug. Er hat mich dann doch zu wenig überrascht. Wobei die Massenschießerei im Hotel, die Adrien Brody anzettelt, ganz großartig und sogar überraschend ist. Fällt mir grad ein.

Überraschend war auch, dass ich ohne die übliche Kinogruppe um mich rum im Kino saß. Der Film hatte gerade begonnen, da klingelte mein Händi. Unangenehme Situation, klar. Ich nahm nicht ab, auch klar. In einem kurzen SMS-Verkehr klärte sich, dass die anderen im Kino 6 bei Non-Stop sitzen. Aha, dachte ich, Missverständnis. Nach Ende des Grand Budapest Hotels wechselte ich geschwind rüber ins Kino 6, um den Show Down wer jetzt warum Liam Neeson in diese beschissene Situation gebracht hat, noch mitzukriegen. Aber in Kino 6 dozierte in einem bunten Farbfilm Charlie Hübner von der Leinwand. Noch ein Missverständnis. Egal.

Das hat Robert über diesen Kinobesuch geschrieben und dies ist sein Verriss zum Hotel, während Claudia offensichtlich auch Wes-Anderson-Fan geworden ist.

Fährt jemand mit nach Görlitz? Ich will doch mal dahin.

Fährt jemand mit nach Görlitz? Ich will doch mal dahin.

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Kommentare
  1. […] hingegen fand ihn zumindest sehenswert, auf die Eindrücke von Claudia warten wir […]

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