300: Rise of an Empire – Von Robert Weber

Veröffentlicht: März 11, 2014 von robertweber in Kann man sehen
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Meere aus Blut gespeist aus Heldenmut werden sich wie eine Flut über die perversen Perser ergießen, so wird die zentrale Seeschlacht bei Salamis mehrmals großmundig angekündigt, und fürwahr, an kunstvoll in Szene gesetzten Blutfontänen aus abgehackten Gliedmaßen und durchtrennten Hauptschlagadern mangelt es 300: Rise of an Empire nicht. Es mangelt auch nicht an Schlachten. Der Schlacht von Marathon folgt die Seeschlacht von Artemision, die wiederum in zahlreiche Unterschlachten aufgeteilt ist, um schließlich in die legendäre Seeschlacht von Salamis zu münden. Dazwischen gibt es noch mehrere kleinere Scharmützel und dazwischen wird viel von Freiheit und Demokratie schwadroniert, die es gegen die perversen Perser (Taliban?) zu verteidigen gilt. Tatsächlich gibt es dann auch einen Selbstmordattentäter, der sich mit antikem Sprengstoff auf einem Schiff der Griechen in die Luft jagt, und im niedergebrannten Athen liegt auch so was wie der Kopf der Freiheitsstatue herum. Das sich die Fortsetzung von 300 historisch auf dünnem Eis bewegt, stört bei dem ganzen Gehacke, Geköpfe und Geschlitze nicht wirklich.

Es stimmt zwar, dass die böse aber überaus scharfe Artemisia die Flotte des Xerxes (den I.) befehligte, allerdings war sie es, die Xerxes von einer Konfrontation bei Salamis abriet, und nicht, wie im Film, umgekehrt. Im wirklichen Leben wurde Artemisia auch nicht von Themistokles aufgespießt, also weder von seinem Schwanz noch von seinem Schwert, sondern sie rettete sich äußerst clever durch eine Kriegslist vor der Gefangennahme, indem sie auf Piratenart die persische Flagge einholte und ein eigenes Schiff rammen ließ, worauf die Griechen dachten, sie wäre eine der ihren und sie davon rudern ließen.

Auch war Themistokles bei Marathon gar nicht anwesend und schon gar nicht der Anführer der siegreichen Griechen, die Ehre gebührt Mitliades, und der Vater des Xerxes wurde daher auch gar nicht von ihm mit einem Pfeil niedergestreckt, sondern zog sich zurück und bereitete den nächsten Krieg gegen die Griechen vor, worüber er aber starb, vermutlich an Altersschwäche – aber Schwamm drüber. Richtig ist, dass der Sohn, im Gegensatz zum Vater, der als weiser und toleranter Herrscher galt, wohl ein ausgesprochen größenwahnsinniger Psychopath war. Der Legende nach ließ er das Meer auspeitschen, weil ein Sturm seine ersten Brücken über den Hellespont zerstört hatte. Er war es übrigens auch, der den Turm von Babylon (hebräisch: Babel) zerstörte.

Dass ich 300: Rise of an Empire für absolut missraten halte, kann ich nicht sagen, daran hindert mich alleine die opulente Bilderflut, die antiken Seeschlachten, die man so noch nie gesehen hat, die Ausreizung des Möglichen in Sachen 3D-Technik, die hier wirklich gut zur Geltung kommt und die recht deftige Fickszene zwischen Artemisia und Themistokles, die leider in einem Koitus Interruptus endet -, so richtig glücklich bin ich mit dem Nachmittagsfilm heute aber auch nicht geworden, vor allem, weil wohl ein dritter Teil droht, denn am Ende wartet Xerxes unheilsschwanger an Land mit dem Rest seines Heeres und den Elefanten aus dem 1. Teil.

Dass Xerxes nach Salamis den Schwanz eingezogen hat und es vorzog, die Niederlage seines Landheeres von Persien aus zu betrachten, dürfte die Produzenten nicht weiter interessieren. Auch nicht, dass die Gattin des Leonidas Themistokles im Anschluss hat hinrichten wollen, weil er dem Spartanerkönig bei den Thermopylen nicht beistehen wollte (es waren übrigens auch an die 5000 Griechen mit bei, nicht nur die 300 Spartaner), auch nicht, dass der gute, alte Themistokles ausgerechnet bei seinen Erzfeinden, den Persern, Aufnahme fand, die ihn wegen seines Heldenmutes bei Salamis rühmten und bei denen er friedlich seinen Lebensabend verbringen konnte, statt geköpft zu werden (oder schlimmeres). Aber wer will ihnen das verübeln, den Produzenten meine ich? Geld verdienen ist ok und mag die wahre Geschichte noch so versöhnlich sein – Vergeltung verkauft sich halt besser. Einmal perverser Perser, immer perverser Perser. (Bitte den Kalauer zu entschuldigen.)

Marion hat den Film aber ganz anders in Erinnerung.

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