Pompeii 3D – Von Robert Weber

Veröffentlicht: März 4, 2014 von robertweber in Trash
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Zuerst dachte ich, ich wäre im falschen Film. Pompe II. Nie davon gehört, also von Pompe I, schon gar nicht von Pompe II. Wer jetzt denkt, so ein Kalauer wäre unter Niveau, der hat Pompeii nicht gesehen, ich meine, die Amis, können Pompeji ja nicht mal richtig schreiben, oder ich kann’s nicht richtig lesen, weil bereits das Schriftbild unter aller Sau ist, nicht, dass das das schlimmste an diesem Film wäre.

Ich versuche ja immer, meinem verkorksten Leben etwas Gutes abzugewinnen, also egal, was ich gerade tue, es gelingt mir nahezu immer, etwas Gutes darin zu sehen. Nicht so bei Pompe. Also rein von Film her betrachtet. Natürlich war es gut, mit Marion, Claudia, Anika und Karsten in einer Reihe zu sitzen, Reihe K, Kino 7, um genau zu sein, coole Brillen auf, geile Sache. Aber ansonsten? „Gladiator“ hab ich schon drei Mal gesehen, mindestens, und eine schlechte Kopie der besten Szenen muss nun wirklich nicht sein.

Gleich zu Beginn: Der pferdeflüsternde Kelte tritt allein in die Arena und nietet innerhalb von Sekunden fünf Thraker um (geklaut aus „Spartacus“, oder wo sonst kommen noch Thraker vor?). Gleiche Bildeinstellung, gleiche Szene wie aus „Gladiator“, nur die „Spanier, Spanier“ – Rufe fehlen, stattdessen wird „Kelte, Kelte!“ geschrieen.

Wo bleibt eigentlich das Urheberrecht, wenn man es mal braucht? Ich könnte als Abmahnanwalt zumindest fünf Szenen eindeutig abmahnen. Da wird eine siegreiche Römerschlacht in der Arena nachgestellt, und, klar, die Gladiatoren gewinnen, obwohl sie eigentlich verlieren sollten („Schilde hoch!“). Dazu schwingt sich der Obergladiator auf ein Pferd und erledigt den Rest (mit Wurfspeer und Ketten, na klar, auch das aus „Gladiator“), als Gipfel der Satz des römischen Obermackers (Jack Bauer aka Kiefer Sutherland): „Ich habe die Geschichte aber anders in Erinnerung“. Ein Plagiat erster Ordnung. 1:1 übernommen. Keine Ahnung, was sie Ridley Scott dafür bezahlt haben, bezahlt haben müssen sie, oder mein Weltbild geht zugrunde.

Dann die Love Story, ich meine, dass der kürzeste Weg zum Herzen einer Frau über ein Pferd führt – ach, wenn’s nur so einfach wäre. Ich würde reihenweise gestolperten Pferden das Genick brechen, aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Ganz so einfach ist es nicht. Da müssen sich eine Jennifer Lawrence und Orlando Bloom Kopie zu Beginn des Filmes nur einmal kurz in die Augen sehen, und schon ist alles klar. Leider kommen die Beiden vor lauter schlecht geschnittenen Vulkan hier – Vulkan da und kopierten Gladiator-Szenen nicht mal zum poppen. Und wenn doch, dann wäre Jack Bauer aus „24“ zur Stelle. Der trägt zwar eine Blechrüstung und Toga statt Jeans und T-Shirt, ist aber ansonsten derselbe. Fies, pathologisch und immer zum Foltern aufgelegt.

Der Vulkan! Der Vesuv! Die letzte Hoffnung nach 120 Minuten der plattesten Dialoge der Filmgeschichte („Ich sehe Dich am Hafen, mein Bruder.“ „Ich komme mit Dir, mein Bruder.“ „Reich mir die Hand, mein Bruder.“ „Ich bleibe bei Dir, bis zum Tod, Geliebter.“) war dann der Ausbruch des Vesuv. Bildgewaltig, so stellte ich ihn mir vor. Ein explodierender Berg, Lava, gewaltige Gesteinsbrocken, tödliche Gase, vernichtende Schlacke – stattdessen wurde mir etwas Pixelsand in die Augen gestreut. Ok, in 3D, aber das auf Lego-Niveau, wie überhaupt der ganze Film: Lego, Barbie & Ken, und Playmobil.

Der Vesuv bricht aus, wirft Armageddon mäßig ein paar Feuerbälle in die Runde, versenkt ein paar Schiffe mit Bösewichten, Schnitt, zwei Typen hauen mit Schwertern aufeinander ein, der Vulkan hat Pause. Der Vesuv bricht in einer Wiederholung noch mal aus, hat aber dann wieder Pause. Schnitt, einer von Beiden ist noch nicht ganz tot. Noch mal bricht der Vesuv aus, große Wolke, Schnitt, einer ist tot, der andere stirbt auch. Der Vesuv hat Pause. Dazwischen, Schnitt, einstürzende Gebäude, die, Schnitt, dann doch wieder 1A stehen bleiben, damit sich zwei andere massakrieren können, oder fast, denn Jack Bauer muss noch mal richtig fies gucken (die beste Szene übrigens, denn das kann er gut). Schnitt, wieder mal ein Feuerball hie und da, die Erde bebt, dann plötzlich wieder doch nicht. Schnitt: Flutwelle, die im richtigen Moment einfach stehen bleibt, weil ein Kind gerettet werden muss. Schnitt, dass Kind kann plötzlich wieder laufen und fällt in die Arme der Mutter, die auch getragen werden muss.

Pompe II ist nicht nur völliger Bullshit, Schnitt, sondern auch derart lieblos dahin gestümpert, dass selbst die miesesten B-Movies aus der italienischen Sandalenära (Zorro contra Samson) als cineastische Kleinode (Samson gegen die Vampire) durchgehen.

Hollywood in der Krise? Nach diesem Film kann man Hollywood nur das gleiche Schicksal wünschen wie einst Pompeji. Zum Glück ist eine Fortsetzung ausgeschlossen, denn tot sind sie wenigstens alle, bis auf ein Pferd namens „Tugend“ (lat. „Virtus“), das darf davonlaufen, vor was auch immer, denn so lächerlich wie in „Pompeii“ ist ein Film-Vulkan noch nie ausgebrochen.

Nicht wirklich empfehlenswert aber immer noch Top gegen Pompeii: Dante’s Peak, Volcano und Volcano in New York.

pompeii-filmgruppe

Julia Roberts, Russel Crowe, Jennifer Lawrence, Kiefer Sutherland und Kate Winslet (v.l.n.r.). Foto: Marion Pfaus

P.S. Karsten hat mich noch daran erinnert, dass der Steigbügel erst im 8. Jahrhundert nach Christus erfunden wurde, von den ganzen anderen historischen Ungereimtheiten mal abgesehen. Hinzu kommt, dass sich der Film offenbar um die Grundlagen der Vulkanologie einen Dreck schert. Mehr dazu auf Trashfilm – Die Radioshow.

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