Das finstere Tal – Von Robert Weber

Veröffentlicht: Februar 25, 2014 von robertweber in Geht so
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Wenn öffentlich rechtliche Fernsehproduktionen mit zuviel Geld ausgestattet werden (6,5 Mio. Euro) und den Versuch unternehmen, etwas annähernd kinotaugliches zu fabrizieren, kann man mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass sie das Ding vermurksen. Bei „Das finstere Tal“ haben ZDF und ORF (bzw. die ausführende Firma X-Films) nicht mal das richtig hinbekommen. Der deutsch-österreichische Alpenwestern kann sich nicht entscheiden. Er will irgendwie Pop sein, eine Hommage an Django (1966), eine nicht ganz bibelfeste Version des alttestamentarischen Heimatfilmes, gewürzt mit einer Prise Star Wars („Ich bin Dein Vater, Luke!“) oder vielleicht doch nur das gute, alte „Ich räche meine Mutter“ Ding.

Da wird gekreuzigt statt mit Dreschflegeln erschlagen (das kommt vorher), weil kreuzigen irgendwie krasser daherkommt, das „Ius primae noctis“ beschworen, natürlich so oft, bis die Braut auch vom Bergfürsten schwanger ist, einfach nur entjungfern wäre nicht dramatisch genug, eine niederträchtige Oma gefoltert, weil erschießen nicht reicht (das Herunterwürgen einer monströsen Goldmünze erinnert durchaus an Waterboarding, die Schmerzen beim kacken will man sich gar nicht vorstellen) und die undankbare Bürde der unglaubwürdigen Hauptrolle, die des Tiroler Pale Riders, muss ein Milchbubi aus Amerika tragen, dem die Maske die gleiche Frisur wie Leonardo DiCaprio verpasst hat, was nicht so schlimm wäre, wenn der Mensch darunter nicht ständig versuchen würde, auch wie Leonardo in die Gegend zu stieren, wenn er den Sauren geben soll.

Insgesamt trägt „Das finstere Tal“ trotz zahlreicher, guter Ansätze, einerseits zu dick auf, schleppt sich andererseits über weite Strecken charakter- und ereignislos durch die grandios mit der Kamera eingefangene Bergkulisse, versaut die Atmosphäre, die der stimmig komponierte Soundtrack geschickt zu erzeugen weiß, indem immer wieder völlig unpassend einige Takte Poprock eingestreut werden (wohl für die Jugend), und um die Story halbwegs schlüssig nachvollziehen zu können, sollte man auch noch die Buchvorlage gelesen haben, und das geht eigentlich gar nicht.

Der Film hätte was werden können und die Vermutung liegt nahe, dass hier einfach zu viele Köche in die Suppe gespuckt haben. Wie gesagt, Kulisse, Kamera, Kostüm, Soundtrack (der eigens komponierte, nicht der aus einem Popalbum) und überwiegend auch schauspielerische Darbietung und Maske sind auf hohem Niveau. Das Drehbuch ist allerdings dahingestümpert oder nachträglich verwässert, die Hauptrolle nicht wirklich glaubwürdig, und ein Satz wie „Die Freiheit ist ein Geschenk, das sich nicht jeder gern machen lässt“ ist im Filmzusammenhang einfach ultrareaktionär. So was wäre nicht mal Ronald Reagan über die Lippen gekommen, Gott sei seiner armen Seele gnädig. Die rückständigen Dorfbewohner sind nicht nur zu feige, um selbst gegen die Tyrannei des alten Brennerbauern und seiner sieben sechs Söhne aufzubegehren (hab mich verzählt), sie wollen dem Amerikaner, der ihnen, dank fortschrittlicher Waffentechnologie (15schüssige Winchester statt zweischüssiger Hinterlader) die Freiheit gebracht hat, dafür auch noch ans Leder. Die Taliban lässt grüßen.

Wer etwas wirklich Gutes in der Richtung sehen will, sollte sich lieber „Die Siebtelbauern“ auf DVD leihen. Ebenfalls ein Alpenwestern, aber bei dem stimmt, im Gegensatz zu „Das finstere Tal“, einfach alles.

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Anika Grützmacher als Sergio Leone, Robert Weber als Charles Bronson, Marion Pfaus als Clint Eastwood (v.l.n.r.).

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Kommentare
  1. he.111 sagt:

    Ein absolut geiler, krasser Film. Unterschwellige Spannung, geniale Kameraführung, beste Schauspielerleistungen. Gemäß einer solchen Kritik hier auf der Sewite dürfte es keinen abgefahrenen Film geben, sondern nur noch Einheitsbrei. Dieser Film setzt sich wie z,B. “ Drive “ mit Ryan Gosling vom Standard ab. Ist aber doch kein Problem, zumal es doch noch genug nüchterne und konservative Filme gibt. Prädikat : unbegingt sehenswert!

  2. robertweber sagt:

    Drive war ja wohl genial, aber der hier? Ok, mehr nicht.

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