American Hustle – Von Claudia Mair

Veröffentlicht: Februar 18, 2014 von robertweber in Einfach spitze
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Wenn ich sehe, wie selbstverständlich Christian Bale alias Irving Rosenfeld seinen Wanst in die Kamera reckt, dann sehne ich mich nach dieser wunderbar imperfekten Welt der 70er zurück, in der Selbstoptimierung noch ein Fremdwort war, in der Finanzbetrüger noch nicht Broker hießen und die Erotik noch etwas solide Schmuddeliges hatte – letzteres mag allerdings Wunschdenken sein, das dieser Film begünstigt. Denn der Film inszeniert das Schmuddelige sehr stilvoll.

Nicht, dass die Leute damals weniger eitel gewesen wären, wie die herrliche Anfangsszene des Films beweist, in der wir lernen, wie man ein Toupet möglichst geschickt auf dem Haupt drapiert. Offenbar ist es auch für Männer ein wahrer Alptraum, wenn jemand anderer dasselbe Outfit trägt. Man sollte sich in modischen Fragen eben nicht von derselben Frau beraten lassen. Aber sie hat Stil, die gute Edith. Unvergesslich ihre abgrundtiefen Dekolletés, mit denen das offene Hemd des FBI-Agenten diMaso zu konkurrieren wagt, und zwar erfolgreich.

Die Endsiebziger also: coole Klamotten, seltsame Frisuren, die sich Lockenwicklern in allen Größen verdanken,  und der Duft nach warmem Eier-Käse-Sandwich. Eier-Käse-Sandwich? Müsste es bei diesem Film nicht eher intensiv nach Rasierwasser riechen? Müsste es wohl, aber das Geruchskino hat sich bis dato noch nicht durchsetzen können, obwohl es bereits 1906 erste Versuche dazu gab. Muffelnde Sandwichreste in zwielichtigen Handtaschen machen jedenfalls noch  kein Geruchskino.

Zum Himmel stinken auch die kriminellen Machenschaften in dieser Geschichte, von denen  ich nicht alle durchschaut habe, nur, dass es unter anderem um Schmiergeld geht und dass „man Millionen braucht, um Millionen zu kriegen“ – oder so ähnlich. Und das ist keiner von den wirklich coolen Sprüchen, von denen es in dem Film einige gibt, die sicherlich Eingang in den Volksmund finden werden. Ich zitiere sie hier nicht, damit sich alle, die sich den Film noch anschauen, darauf freuen können. Und nicht nur darauf.  Überrascht hat mich nämlich Jennifer Lawrence. Nach „Tribute von Panem“ war ich nicht gerade ein Fan ihrer Schauspielkunst. Als Ehefrau von Irving Rosenfeld gibt sie eine durchgeknallte Alkoholikerin und ist in dieser Rolle einfach hinreißend.

American Hustle beruht zum Teil auf einer tatsächlichen FBI-Operation namens Abscam, bei der sich FBI-Agenten als Geschäftsleute aus dem Nahen Osten ausgaben, um u. a. korrupte Politiker zu überführen. Es gab ihn also wirklich, diesen falschen Scheich aus American Hustle. Unterstützt wurde das FBI bei dieser Aktion von dem Trickbetrüger Melvin Weinberg, im Film Irving Rosenfeld. Man hat die Geschichte natürlich aufgepeppt, u. a.  indem  man Rosenfeld eine attraktive Trickbetrügerin zur Seite gestellt und der Geschichte am Ende eine originelle Wendung gegeben hat.  Es zeigt sich, dass Irving kein gewissenloser Verbrecher ist, sondern eigentlich  ‘n guter Kerl, aber eben doch ein Schlitzohr.

Ich warte jetzt auf den Director‘s Cut, in dem diMasos fader Vorgesetzter endlich das Ende der Eisloch-Geschichte erzählt. Denn ich muss es wissen, vorher tu ich kein Auge mehr zu!!

hustle_autoren

Marion Pfaus als Robert De Niro, Robert Weber als Melvin Weinberg, Claudia Mair als Bradley Cooper

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