RoboCop 2.0

Veröffentlicht: Februar 11, 2014 von robertweber in Trash
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Vom Detroiter Cop Murphy bleibt nach einem Sprengstoffanschlag nur noch das Gesicht und eine Hand übrig, ok, etwas Gehirn ist auch noch da. Was Murphy fehlt, wird durch Metall, Hydraulik, Schläuche und Mikrochips ersetzt. Fertig ist der Robocop, der seiner Frau allerdings nicht nur wegen des neuen Outfits wenig Freude machen dürfte. Schwanzgesteuert ist Murphy jedenfalls nicht mehr. Sein bestes Stück haben die Ingenieure zwecks Jugendfreigabe unter den Tisch fallen lassen, Grund genug für Murphy, aktive Sterbehilfe einzufordern, doch dann wäre Robocop in seinem besten Moment vorbei und Filmemacher und Produzenten könnten ihren Sadismus nicht mehr am Kinogänger auslassen.

Wo fängt der Mensch an und hört die Maschine auf (oder umgekehrt) wäre eine zentrale Frage gewesen, die der Film hätte aufgreifen können, was er auch tut, allerdings auf einem Niveau, das selbst das Zielpublikum unterfordert. Hier wünscht man sich eine umgekehrte FSK-Einschränkung, eine Warnung also, dass man diesen Film ab der Vollendung des 12. Lebensjahres auf gar keinen Fall mehr sehen sollte, oder wenn, dann nur in Begleitung von Kindern.  Selbst Terminator 4 oder I Robot, nicht gerade intellektuelle Glanzlichter des Genres, haben da die Messlatte deutlich höher gelegt. Das Original war schon nicht wirklich bemerkenswert, auch wenn es noch so oft als einer der Meilensteine des Actionkinos beschwört wird, dass Remake spottet jedoch, trotz Staraufgebot, jeglicher Beschreibung.

Zugegebenermaßen – es gibt ein, zwei wirklich beeindruckende Szenen, aufgrund derer man ahnt, welches Potential eigentlich im Grundsetting von RoboCop stecken könnte: Zunehmende Robotisierung der Kriegsführung, absolute Kontrolle durch totale Überwachung, amerikanische Allmachtsphantasien, medizinische und militärische Forschung an Mensch-Maschinen-Schnittstellen, der rasante Fortschritt bei der Entwicklung von gedankengesteuerten Prothesen, Drohnentechnologie, die Manipulation von Politik und Gesellschaft durch Großkonzerne – das Remake von Robocop verschenkt all dies zugunsten – ja, von was eigentlich? Zugunsten einer absoluten Leere, die einen überfällt, sobald die halbstündige Exposition der Geschichte vorüber ist und der Regisseur anfängt, im Sandkasten von Hollywoods Action-B-Movies zu spielen.

Da wird geteasert, geballert, gesprengt und geschrottet, was das Zeug hält, zur Auflockerung zwischendurch immer wieder etwas gemenschelt und zum Abschluss ist alles wieder gut, zumindest für Murphy, seine Frau ist, wie gesagt, den Rest ihres Lebens zum Zölibat verdammt, es sei denn, die Wissenschaftler haben im Remake von Robocop II ein Einsehen und schrauben Robby, wie er liebevoll von den Detroitern genannt wird,  einen Vibrator zwischen die Beine.

Zurück bleibt ein mental kauterisierter Zuschauer und die Frage: Ist das noch ein Film oder schon ein maschinelles Produkt (oder umgekehrt)? Und wieso zum Teufel zahle ich für diese Scheiße auch noch Eintritt?

P.S. Hier übrigens ein „echter“ Robocop im Hier und Jetzt. Frisch vom Fließband.

Robert Weber

Empfehlenswertes Kino zum Thema Mensch-Maschine: Westworld, Surrogates, Blade Runner, AI und Real Steel. Im weitesten Sinne auch 2001 – Odyssee im Weltraum.

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Claudia Mair (l.) als Lois Lane, Robert Weber (r.) als Spiderman

Was hat mir an diesem Film gefallen?  Da muss ich jetzt echt überlegen …  Diese Testszene in der alten Industriehalle, wo RoboCop einen Roboter nach dem anderen wegknallt und eines der Arschlöcher im Film unter Strom setzt – das war eigentlich ganz nett.

Die  USA setzen die Kampfroboter lieber hübsch weit weg ein und wollen das metallene Schmuddelzeug in den eigenen Straßen nicht haben, weil sich die Bevölkerung daran stört, dass Roboter keine Gefühle haben. Der schwer verletzte Cop Axel Murphy  wird deshalb vom Kampfmaschinenhersteller Omnicorp um  wirtschaftlicher Interessen willen optimiert zum Maschinenmenschen.  Hier setzt  dann auch die gewollte Gesellschaftskritik an, zumal wir auch erfahren, dass RoboCop zwar die Illusion des freien Willens hat, tatsächlich aber von außen gelenkt wird. Und die Zuschauerin starrt auf den  seiner Reproduktionsorgane beraubten Maschinenmann, der irgendwie Barbies Ken ähnelt,  und fragt sich: Bin ich nicht wie er? Missbraucht, zur Maschine reduziert und impotent?

Nein, das fragt sie sich natürlich nicht. Sie fragt sich vielmehr, warum keiner dem armen Kerl den Gnadenschuss gibt? Ganz einfach: weil der Film uns noch etwas Wichtiges mitzuteilen hat, nämlich dass die Liebe alles überwinden kann. Denn RoboCops Frau hält zu ihm, obwohl von ihrem Liebsten nicht mehr viel geblieben ist außer seinen schönen Augen – aber wer braucht schon Sex? Die Liebe dieser Frau und die Liebe RoboCops zu ihr und seinem Sohn ist es, die RoboCops durch Dopamin Entzug herbeigeführte Gefühllosigkeit und sogar technische Schwierigkeiten überwinden kann. Wer hätte es gedacht!!  Aber gegen Liebe ist ja grundsätzlich nichts einzuwenden, also Schwamm drüber. Regisseur und Autoren hätten jedoch die Worte der Bösen in ihrem Film beherzigen sollen:  „Was ist besser als ein Held?“ – „Ein toter Held!“

Claudia Mair

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