Zwei vom alten Schlag

Veröffentlicht: Januar 14, 2014 von robertweber in Geht so
Schlagwörter:, , , , , , , , ,

Natürlich kommt ein Film, in dem Sylvester Stallone und Robert De Niro zwei abgehalfterte Boxer spielen, die es noch einmal wissen wollen, der eine wegen der Ehre, der andere wegen dem Geld, ohne zahlreiche Reminiszenzen an „Rocky“ und „Wie ein wilder Stier“ nicht aus. Sly profitiert hier vom letzten Teil der Boxer Saga und er spielt eigentlich niemand anderen als Rocky in Rocky VI. Sein Gesicht wirkt zwar, als wäre es mit der Planierraupe statt mit Botox geglättet worden, aber er hat immer noch den Körper eines 60jährigen, während Robert De Niro so aussieht, wie im letzten Drittel von Raging Bull, bloß eben 50 Jahre älter und bereits mit einer Hand am Rollator. Wie Jake LaMotta führt auch „The Kid“ eine Bar und erzählt schlechte Witze über seine längst vergangene Boxerkarriere, während sein Erzrivale „Razor“ beim Fleischeinkauf reflexhaft auf eine Rinderhälfte (oder waren es Schweine?) einprügeln will, wovon ihn aber sein Coach, aus dem Pflegeheim rekrutiert und beim Lauftraining mit dem elektrischen Rollstuhl unterwegs, aus Gründen der Lebensmittelhygiene abhält.

Weil das in Hollywoodfilmen so sein muss, ist „Zwei vom alten Schlag“ noch mit einer Liebesgeschichte und einer „Vater versöhnt sich wieder mit seinem Sohn“ Story garniert, die die Zeit bis zum finalen Fight künstlich in die Länge ziehen. Das den ganzen Film über großspurig angekündigte „Grudge Match“ (Originaltitel = „Erbitterter Zweikampf“) wiederum bringt einer der Sportreporter im Film mit „Schön sieht das nicht aus“ auch für den Kinogänger auf den Punkt. Da wird gewabbelt und geschwabbelt was das Zeug hält und zumindest Robert De Niro sieht so aus, als könnte er sich bereits vor dem Eröffnungsgong kaum noch auf den Beinen halten.

„Ich stell mich so hin, dass Du mich auch sehen kannst“, sagt „The Kid“ zu „Razor“ im Ring und das ist auch der witzigste Satz, der in diesem Film fällt, der für einen gelungenen Dienstagnachmittag im Kino aber durchaus seine Existenzberechtigung hat. Karsten und ich haben öfters mal gegackert, während aus Rigolettis Ecke nur gequältes Seufzen zu hören war. Für Hochbegabte gibt es sicherlich eine sinnvollere Art der Freizeitgestaltung.

Bei aller Kritik, die der Film sicher verdient – zu wirklicher Größe läuft „Zwei vom alten Schlag“ im Abspann auf, der witziger ist, als die ganzen 90 Minuten vorher zusammengenommen. Und allein dafür, muss ich sagen, hat sich der Film gelohnt. Gäbe es dafür einen Oscar, Grudge Match hätte ihn in der Tasche.

Robert Weber

zwei_vom_alten-SchlagMarion Pfaus (l.) als Karsten Krampitz

Har, Witz im Titel. Aber nur in der deutschen Version. Im Original heißt der Film Grudge Match. Leo.org sagt grudge = Groll, Neid, Ranküne (was ist das denn?). Egal.
Beim Anblick der Hauptdarsteller Sylvester Stallone und Robert De Niro hegt man den Wunsch, sie mögen bitte nicht noch mal in den Film-Ring steigen müssen. Ich jedenfalls möchte das nicht sehen.
Bei Stallone nagelte sich vom ersten Bild an ein Gedanke in meinem Gehirn fest: Mann, sieht der Scheiße aus. Der hat sich liften lassen. Ich glaube, mich an Meldungen von verunglückten plastischen OPs erinnern zu können. Stallone hat sein Gesicht verloren. Robert de Niro nicht. Er hat noch seine Originalfresse, dafür in alt, die ihm, ich nehm’s schon mal vorweg, am Ende des Film ordentlich poliert wird.
Zu Beginn hatte ich tatsächlich die Hoffnung, es würde vielleicht doch nicht geboxt werden, nämlich als Mann-sieht-der-Scheiße-aus-Stallone den Gag macht, dass er viel lieber getanzt als geboxt hätte. Ich wünschte mir Sylvester Stallone, den Tänzer. Diese Hoffnung wurde noch gefüttert, als der alte Box-Trainer unbedingt „Dancing with the Stars“ im Film-TV sehen will. Und als der Box-Promoter De Niro und Stallone für die virtuelle Videospielversion ihres Kampfes castet, war ich mir fast sicher, dass nicht realitätsnah geboxt werden muss. Das Videospiel würde sogar das Plakatmotiv erklären. Umsonst gehofft. Natürlich.
Zwei Box-Legenden haben vor 30 Jahren den Entscheidungskampf nicht ausgetragen. Warum?
De Niro spielt den Bösen, Mann-sieht-der-Scheiße-aus-Stallone den Guten. Der Böse hat das Geld, der Gute die Ehre, die Liebe. Die verlorene Liebe. Kim Basinger. Ob geliftet oder gebotoxt oder beides oder keins von beiden, sie sieht gut aus. Kim war vor 30 Jahren die Frau von Mann-sieht-der-Scheiße-aus-Stallone, fickte aber damals in der Not den anderen. Und weil De Niro Stallone „das, was ihm am meisten bedeutet hat“ genommen hat – Kim Basinger, hat Stallone De Niro das genommen, was dem am meisten bedeutet hat – das Boxen. Rache.
Es geht auch um den verlorenen Sohn, den von De Niro und Kim Basinger. Ein 30jähriges sympathisches Produkt eines One-Night-Stands, das bis dahin nichts von der wahren Vaterschaft wusste.
Und es geht um Geld, Geld das Stallone und sein altersschwacher Trainer dringend brauchen. Übrigens auch die arbeitslosen Kumpels, die beim Wetten auf Stallone gewinnen wollen. Deshalb sagt der nach langem Zögern dem alles entscheidenden Entscheidungskampf nach 30 Jahren doch noch zu.
Während De Niro sich als guter Papa outet und zu gezupfter Gitarrenmusik den neuen Sohn zum Trainer macht, darf Mann-sieht-der-Scheiße-aus-Stallone nochmal auf Schweinehälften rumdreschen. Aber nur kurz, das braucht er nicht mehr machen. Sagt der Trainer. Stallone spielt seine eigene Karikatur.
Der verlorene Sohn vergibt dem Vater und schenkt ihm einen Enkel, der Vater/Opa verschenkt ein Auto und die verlorene Liebe ist anscheinend doch nicht ganz verloren. Alles läuft auf ein Happy End zu, worauf wir aber noch etwas warten müssen. Bis dahin werden noch ein paar Witze gerissen.
Der Box-Promoter sagt zu Stallone im grünen Motion-Capture-Anzug „wenn ich ein Martiniglas wäre, würde ich dich reinschmeißen“, und später „du starrköpfiges Arschgesicht“. Du arschköpfiges Starrgesicht, variiert mein Gehirn. Der Box-Promoter wird Espresso genannt, weil er klein und schwarz ist. Aber nicht von mir, sondern, weil es im Drehbuch steht, aufgesagt vom alten Box-Trainer, der auch von Muschis und geilen Bräuten sprechen muss. Die geilen Bräute im Hintergrund, deren Muschis in Yogahosen stecken, finden das gar nicht geil und ziehen Schnütchen. Einmal musste ich tatsächlich lachen. De Niro kotzt im Vordergrund, der neue Enkel muss im Hintergrund mitkotzen. Zweimal.
Der Enkel hat einen Vater, eine Oma und einen neuen Opa, aber keine Mutter. Was ist passiert? Normalerweise stehen in Filmen gerahmte Fotos von fehlenden Müttern rum. In diesem nicht. Die Mutter bleibt abwesend. Dafür komplettiert sich die Familie eine Generation darüber. Endlich, nach 30 Jahren kuscheln olle Stallone und Kim wieder auf dem Sofa. Und ich bin froh, dass es Mann-sieht-der-Scheiße-aus-Stallone ist und nicht Mann-der sieht-ja-noch-viel-scheißerer-aus-Mickey-Rourke.
(VORSICHT SPOILER – obwohl das bei diesem Film egal ist. Die Red.) Am Ende schickt Kim ihren neuen Alten mit einem gehauchten „Sei vorsichtig“ in den Ring, was aber von diesem sowas von gar nicht beachtet wird. Er drischt auf De Niro ein. Jetzt sieht der auch Scheiße aus. Erste Runde an Stallone, zweite an De Niro. Und so weiter bis Mann-der-sieht-jetzt-aber-echt-Scheiße-aus-Stallone schwächelt, weil er nämlich auf dem rechten Auge blind ist und von dieser Seite so richtig vermöbelt wird. Kim berichtet in Runde 8 (oder so) ihrem Sohn, dem Trainer De Niros, von der geheimen Behinderung, der es sofort an seinen Vater weiter gibt mit der Bitte um einen fairen Kampf. Davon will De Niro erst mal nix wissen, dann aber plötzlich doch. Er hilft dem halb ko-enen Stallone auf die Beine und schlägt nur noch von links. Wer hätte das gedacht! Noch zweimal hilft man sich gegenseitig auf die alten Beine und alle 500.000 Millionen Zuschauer auf der ganzen Welt weinen. Der Sieg geht ganz knapp an Mann-der-blutet-ja-wie-Schwein-am-rechten-Auge-Stallone, aber De Niro hat auch gewonnen. Die Ehre.
Und jetzt kommt’s. Robert De Niro tanzt. In der TV-Show „Dancing with the Stars“. Stallone, Kim, der Espresso und der alte Box-Trainer sehen sich das zusammen auf dem neuen Riesenfernseher an. Eine runde Sache dieser Film.
Marion Pfaus

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s