Archiv für Januar, 2014

Betriebsausflug mit Karsten Krampitz

Veröffentlicht: Januar 24, 2014 von robertweber in Uncategorized
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(V.l.n.r.) Robert Weber als Karsten Krampitz, Marion Pfaus als Karsten Krampitz, Claudia Mair als Karsten Krampitz, Rumen Milkow als Karsten Krampitz. Nur Karsten Krampitz war wieder mal nicht da.

In der Kantine der Volksbühne.

All is Lost

Veröffentlicht: Januar 21, 2014 von robertweber in Kann man sehen
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Wir kennen das: Es gibt Tage, da läuft alles schief. Früh fällt einem die Kaffeetasse aus der Hand, Mittag macht der Laptop schlapp und Abends brennt die Freundin mit dem Computertechniker durch.

Ähnlich ergeht es dem namenlosen Skipper in All is Lost. In der endlosen Weite des Indischen Ozeans hat ein herrenloser Turnschuhcontainer, den es über die Reling eines Frachtschiffes gespült hat, nichts Besseres zu tun, als direkten Kurs auf sein Boot zu nehmen, dabei wäre so viel Platz gewesen. Es gibt eine Kollision, das Boot schlägt leck, kann aber mit Epoxid wieder zusammen geklebt werden. Als nächstes taucht ein Sturm auf, der die notdürftig geflickte Yacht komplett auseinanderlegt. Redford hat zwar keine Schwimmweste an Bord, aber dafür eine überdachte Rettungsinsel. Leider hat er statt Trinkwasser nur Whisky geladen, und das Wasser, was er aus dem Tank unter der Spüle in einen Kanister pumpt, stinkt wohl nach fauligem Fisch, jedenfalls ist es nicht mehr trinkbar.

Die erste halbe Stunde ist geschafft, die restlichen 70 Minuten dümpelt Reford in der Rettungsinsel auf dem Meer dahin. Es kommt noch ein Sturm und dann noch einer, und als ich dachte, sie kommen gar nicht mehr vor, tauchen endlich auch ein paar Haie auf, die sich dekorativ im Meer schlängeln. Doch keine Angst, die beißen nicht, hier wollen sie tatsächlich nur spielen.

Man kann über All ist Lost nichts wirklich Schlechtes sagen, schöne Bilder, hohe Wellen, ab und zu blitzt so etwas wie Spannung auf – so richtig weiterempfehlen möchte man ihn aber nicht. Klar, Redford ist ein toller Schauspieler, aber das war er schon vorher. Zieht man einen direkten Vergleich zu ähnlich gelagerten Ozeansurvivalfilmen, so bleibt All is Lost unterm Strich jedoch deutlich hinter Open Water oder auch The Reef zurück.

Immerhin ist der Film nicht zu lang geraten, bevor es wirklich ennuyant wird, ist er auch schon um, und das kriegen heutzutage auch nicht alle hin.

Robert Weber

P.S. Wie Rumen schon schrieb, sind die Mitarbeiter in Kino der Kulturbrauerei an Unfreundlichkeit und Arroganz kaum zu übertreffen. Zu schön zum arbeiten. Votzenfaktor 9 von 10.

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Rumen Milkow (r.) als Claudia Mair, Robert Weber als Rumen Milkow

Vor dem Film ein Wort zum Kino in der Kulturbrauerei. Daß ich es nicht mag, liegt nicht nur am unfreundlichen Personal, und auch nicht daran, daß es das Premierenkino von Radio Eins ist, sondern daran, daß die Zuschauer so alt sind. Gefühlt sind sie sogar noch älter als Robert Redford, der nicht einfach nur der Hauptdarsteller sondern der einzige Darsteller überhaupt von „All is Lost“ ist. (Nur damit sich keiner wundert: Da ich Robert Redford vor Jahren, als er noch ein bisschen jünger war, anlässlich der Berlinale faßt schon mal in meiner Taxe hatte, darf ich schlicht Robert zu ihm sagen.)

Der Film beginnt mit der deutschen Synchronstimme von Robert aus dem Off. Robert entschuldigt sich (bei wem?), er habe alles gegeben (was genau?), aber trotzdem sei alles verloren. Gut, dann können wir ja nach Hause gehen! (Zu Hause im Prenzlauer Berg? Nachtigall ich hör dir trapsen!) So war es dann auch! Bevor wir unsere dicken Winterklamotten anlegen konnten, plötzlich blaues Meer und weiter Himmel (ebenfalls blau) auf der Leinwand. Dann schon gleich Robert, für einen Stummfilm in Slow-Motion wahnsinnig schnell. Robert ist alt und muss deswegen viel schlafen. Warum er das nicht im Altersheim sondern auf einer kleinen Jacht irgendwo bei Sumatra tut, erfährt der Zuschauer nicht. Was er allerdings sieht, ist ein offener Container mit Kinderschuhen (vermutlich Billigware aus China), der das Boot gerammt hat, weswegen Wasser in den Innenraum eindringt. (Warum der offene Container nicht längst gesunken war, bleibt offen.)

Robert hat offensichtlich ein Luxusproblem und als erfahrener Segler aus dem Prenzlauer Berg wünscht man sich, daß Robert zumindest ein paar Segelstunden genommen hätte. Aber obwohl kein Handgriff sitzt, gelingt es Robert doch irgendwie, das Loch zu flicken und das gesamte Wasser per Hand aus dem Bootsinnenraum zurück ins Meer zu pumpen. Alles wie gesagt als Stummfilm in Slow-Motion – trotzdem Respekt! Zum Schluss quält sich Robert noch den Mast hoch, um endlich mal die Antenne zu reparieren, da zieht auch schon der erste Sturm auf. Robert verbarrikadiert sich in seiner Kajüte und muss sich erstmal nass rasieren. Vermutlich wusste er als alter Mann an der Stelle mehr als sein altes Publikum vom Prenzlauer Berg, und zwar daß er sehr lange nicht mehr zum Rasieren kommen wird.

Der schwere Sturm stellt die kleine Jacht auf den Kopf, und selbst Robert begreift, wenngleich langsam, daß es an der Zeit ist umzuziehen. Und was bietet sich auf hoher See so ganz allein mehr an als die bootseigene Rettungsinsel?! Nach dem Sturm ist man sich als Nichtsegler nicht sicher, ob die Jacht nicht doch zu retten ist. Robert und die alten Segelhasen von Radio Eins wissen es besser. Robert rettet, was zu retten ist, auf die Rettungsinsel, die Jacht geht unter und ein zweiter Sturm zieht auf. (Nach dem Sturm ist offensichtlich auch vor dem Sturm!) Den überlebt der alte Robert irgendwie auf seiner windgeschützten Luftmatratze, und selbst den Alten vom Prenzlauer Berg wird langsam klar, daß Robert mehr als ein Luxusproblem hat. Als sich das Trinkwasser in Roberts Wasserkanister als ungenießbar erweist, realisiert nun auch Robert, daß er am Arsch ist, was ihn nach einer Stunde Stummfilm immerhin zu drei Worten inspiriert: „Scheiße! – Gott! – Fuck!“ – Alles in Slow-Motion, vor allem das „Fuuuuuuuuuuuuuuuuuuck!“

Eines hat Robert zumindest erreicht: Man hat irgendwie Mitleid mit ihm, wenngleich keine wirkliche Empathie aufkommt. Dazu hätte der nicht ganz so alte Zuschauer aus Friedrichshain doch schon gerne gewusst, was macht denn der Robert da auf seiner Jacht? Ein Wirtschaftsflüchtling, der auf hoher See sein Leben riskiert, ist er ja offensichtlich nicht! Dem Film bleibt keine Zeit, diese und andere Fragen zu beantworten, da sich Roberts Rettungsinsel dem Fahrwasser der großen Schiffe nähert. Das erste Großraumcontainerschiff fährt am Tage ganz dicht an ihm vorbei, doch auf der Brücke sieht ihn niemand mit dem kleinen Bengalo auf seiner Rettungsinsel stehen. Das zweite Großraumcontainerschiff übersieht dann sogar Nachts seine einzigen beiden Leuchtraketen. Ist das schon Real-Kritik am Turbo-Kapitalismus?

Langsam wird es eng auf Roberts Rettungsinsel. Erste hungrige Fische klopfen auch schon an. Plötzlich ist es wieder Nacht und Robert sieht ein schwaches Licht, was offensichtlich einem kleinen Boot ganz in der Nähe gehört. Gut, er könnte jetzt schreien, aber es ist eben ein Stummfilm. Und da Robert nicht mehr der jüngste ist, muss er erstmal überlegen, was jetzt zu tun ist. Ich konnte ihn förmlich denken hören: Schreien kann ich nicht, ist ja ein Stummfilm! Was kann ich sonst tun, damit der mich sieht? Grübel, grübel, … ah, ja … ähm, hm … klar, ich mache ein Feuer. Das funktioniert sogar, allerdings zu gut und vor allem zu schnell für Robert, denn der ist ja alt. Und so steht (so plötzlich war das jetzt auch nicht!) auf einmal seine ganze verf***te Rettungsinsel in Flammen.

Spätestens jetzt muss man an den Anfang des Films denken, wo Robert sich entschuldigt (Wir wissen immer noch nicht bei Wem!), daß er alles gegeben hat (Was prinzipiell stimmt, wenngleich sehr langsam!), und daß jetzt alles verloren sei (Was nicht zu übersehen ist!). Kurzerhand entscheidet sich Robert zum Suizid, was einmal mehr beweist, daß sich auch Luxusprobleme zu realen Problemen auswachsen können. Bevor er jedoch den Mund aufmacht, um endlich Wasser in die Lunge eindringen zu lassen, öffnet er sicherheitshalber nochmal die Augen. Das hätte er nicht tun dürfen! Denn jetzt sieht er, daß sich das andere Boot seiner brennenden Rettungsinsel nähert. Jetzt, kurz vor Schluss, wird es pöltzlich noch mal spannend, weil niemand weiß, ob Robert nicht doch zuuuuuuuuuuuu langsam ist.

Gibt es ein Happy End für Robert in seinem neuen Stummfilm in Slow-Motion? Können die Alten vom Prenzlauer Berg aufatmen, weil sich „alt fühlen“ auch nicht schlimmer ist wie „alt sein“? Oder ist wirklich alles verloren?

Rumen Milkow aka Taxi Berlin

Börsianer nehmen Drogen, vögeln Callgirls, trinken zu viel, haben Spaß daran, Anlegern wertloses Zeug aufzuschwatzen und verdienen sich dabei dumm und dämlich –  so, what’s the news? Martin Scorsese macht nicht mehr, als Story und Dramaturgie von Blow zu kopieren, mit einem ordentlichen Schuss Fear & Loathing in Las Vegas zu panschen und das halbseidene Konglomerat an die Wallstreet zu verlegen. Dabei reicht The Wolf of Wall Street bei weitem nicht an Blow heran, erst recht nicht an Fear & Loathing in L.A.. Die sind wenigstens wirklich witzig und vor allem deutlich kurzweiliger. Da reißt auch die großartige, schauspielerische Leistung von Leonardo DiCaprio nichts mehr raus.

Die besten Gags dieser über weite Strecken quälend langatmigen Komödie hat man bereits im Trailer verbraten, und die zwei originellsten Einfälle, die der Film zu bieten hat, sind die, dass DiCaprio ab und an direkt in die Kamera, also zum Zuschauer spricht und dieser einen gedanklichen Schlagabtausch zwischen dem Wolf und einem Schweizer Bankier quasi per Telepathie verfolgen kann. Der Rest verliert sich in ewigen Wiederholungen von Drogenkonsum, Fickszenen und börsianischer Straßenräuberei.

Viel heiße Luft um nichts, kongruent in dem Sinne, als dass auch an der Börse größtenteils nur mit heißer Luft gehandelt wird. In seinen besten Momenten fühlt man sich zwar in ein Theaterstück von Christoph Schlingensief versetzt, beim Zwergenwerfen etwa, oder wenn nur eine in Unterhosen bekleidete Blaskapelle durch das Großraumbüro der überkandidelten Börsenhengste zieht, letztere könnten auch ohne weiteres als Mitglieder der Moon-Sekte durchgehen, aber leider sind die Schlingensiefschen Momente rar gesät. The Wolf of Wall Street ist wie ein Auto, das mit hohem Tempo einen kurzen, steilen Berg hinabrollt, anschließend auf einer Kilometer langen Ebene immer mehr an Schwung verliert, um schließlich durch die Schwerkraft vollständig ausgebremst zu werden. Bedauerlicherweise ist im Augenblick des Stillstandes der Film noch lange nicht vorüber, sondern säuft noch gefühlte zwei Stunden lang ab.

Jedem anderen Regisseur hätte ich The Wolf of Wall Street vielleicht noch als halbgares Mittelmaß durchgehen lassen, misst man aber Martin Scorsese an Martin Scorsese, dann ist der Streifen einfach nur öde. Daher nur zwei von fünf Sternen.

Robert Weber

Nachtrag: Wirklich sehenswert zum Thema sind: Margin Call, Wall Street und Wall Street – Geld schläft nicht.

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Robert Weber als Karsten Krampitz, Claudia Mair als Robert Weber.

The Wolf of Wallstreet oder Wie man sich erfolgreich zum Affen macht

Gleich zu Beginn des Films lernt der junge Jordan Belfort vom erfolgreichen Börsenmakler Hanna, was Sache ist: Es geht um Geld, und zwar nur um das Geld, das man selbst verdient. Die Anleger sind lediglich Mittel zum Zweck und die Börse ist nur eine Riesenblase ohne reelle Werte. Vom sex- und drogensüchtigen Hanna, den er bewundert, übernimmt Belford das seltsame Gebaren aus Grunzlauten und Schlägen gegen die Brust, das ich zum letzten Mal bei einem Gorilla im Zoo gesehen habe.

Der ehrgeizige Belford wird als Frischling von einem Chef zum „Abschaum“ erniedrigt und hebt den Begriff „Abschaum“ auf eine neue, höhere Ebene, indem er mit Hilfe von zwielichtigen Freunden, die weder vertrauenswürdig noch sonderlich intelligent wirken, ein eigenes Unternehmen gründet. Dank der Dummheit vieler Anleger werden sie unglaublich reich und haben dabei jede Menge Spaß.  Sie wirken wie zu groß geratene ADHS-Kinder, die nicht mehr unter Aufsicht stehen und dekadent in den Untergang reiten, trunken vom Erfolg, zugedröhnt und den Schwanz im Loch, wenn sie auch nicht immer wissen, in welchem gerade.

Über die zahlreichen Sexszenen dieses Films sollen sich Feministinnen und bekennende Masochistinnen streiten, ich halte mich da raus. Was die Frauenrollen angeht: Da haben wir die gute, liebende Ehefrau, die entsorgt wird zugunsten eines absolut oberscharfen Teils, das auch noch Dessous entwirft und Belford hauptsächlich wegen seines Geldes und seines Erfolges liebt. Seine Ehe hindert den Filmhelden übrigens nicht am ausgiebigen Prostituiertenkonsum. Olle Kamellen also – aber Belfords Erfolgsgeschichte beginnt ja auch Ende der 80er Jahre.

Belford puscht seine Angestellten indem er den Motivationstrainer gibt oder auch den fanatischen Kriegshetzer – hier bleibt einem beim aggressiven Jubel seiner Anhänger und angesichts seiner verzerrten Fratze das Lachen allerdings im Halse stecken. Er gibt auch mal den rührseligen Prediger und kommt selbst damit bei seinen Leuten gut an, die es ihm danken mit einer gemeinsamen Grunz-Imponier-Runde. Alles fickende Arschlöcher, wichsende Arschficker, kurz Wichser, die alle anderen ficken wollen. Ficken bedeutet in diesem Film Kampf und Sieg. Und dabei sind sie so jämmerlich, so überzogen irre, dass sie zu Lachnummern werden. Wie kann es sein, dass mich ein derartiges Trauerspiel amüsiert?
Weil es a) voller Ironie ist, ja nahezu grotesk und b) einfach gut verfilmt, mit verdammt guten Bildern, interessanten Perspektiven, und weil ich – oh Schande! – für Dekadenz etwas übrig habe, obwohl oder weil ich sie mir nicht leisten kann.

The Wolf of Wallstreet ist die Verfilmung des gleichnamigen autobiografischen Bestsellers des echten Jordan Belford. Übertreibung dürfte ein wichtiger Bestandteil dieses Buches sein, denn schließlich ist Belford ein genialer Verkäufer, der uns einen Wolf für einen Affen vormacht. Ich frage mich, ob die Ironie im Film auf Belford selbst zurückgeht, oder ob Scorsese sich hier die Freiheit genommen hat, diesen Wahnsinn zu entlarven als das, was er ist – der Exzess defizitärer Männer, deren Charakter pathologische Züge aufweist, und die ihren Erfolg der Gier und der Dummheit ihrer Mitmenschen verdanken.
Übrigens soll Belford zu Ende des Films einen Cameo-Auftritt haben als Moderator der Motivationsshow. Er hat bei mir zwar keinen bleibenden Eindruck hinterlassen, aber dieser verfickte Wichser wird mit der Verfilmung seines Bestsellers sicher wieder einen Haufen Geld gemacht haben

Claudia Mair

Natürlich kommt ein Film, in dem Sylvester Stallone und Robert De Niro zwei abgehalfterte Boxer spielen, die es noch einmal wissen wollen, der eine wegen der Ehre, der andere wegen dem Geld, ohne zahlreiche Reminiszenzen an „Rocky“ und „Wie ein wilder Stier“ nicht aus. Sly profitiert hier vom letzten Teil der Boxer Saga und er spielt eigentlich niemand anderen als Rocky in Rocky VI. Sein Gesicht wirkt zwar, als wäre es mit der Planierraupe statt mit Botox geglättet worden, aber er hat immer noch den Körper eines 60jährigen, während Robert De Niro so aussieht, wie im letzten Drittel von Raging Bull, bloß eben 50 Jahre älter und bereits mit einer Hand am Rollator. Wie Jake LaMotta führt auch „The Kid“ eine Bar und erzählt schlechte Witze über seine längst vergangene Boxerkarriere, während sein Erzrivale „Razor“ beim Fleischeinkauf reflexhaft auf eine Rinderhälfte (oder waren es Schweine?) einprügeln will, wovon ihn aber sein Coach, aus dem Pflegeheim rekrutiert und beim Lauftraining mit dem elektrischen Rollstuhl unterwegs, aus Gründen der Lebensmittelhygiene abhält.

Weil das in Hollywoodfilmen so sein muss, ist „Zwei vom alten Schlag“ noch mit einer Liebesgeschichte und einer „Vater versöhnt sich wieder mit seinem Sohn“ Story garniert, die die Zeit bis zum finalen Fight künstlich in die Länge ziehen. Das den ganzen Film über großspurig angekündigte „Grudge Match“ (Originaltitel = „Erbitterter Zweikampf“) wiederum bringt einer der Sportreporter im Film mit „Schön sieht das nicht aus“ auch für den Kinogänger auf den Punkt. Da wird gewabbelt und geschwabbelt was das Zeug hält und zumindest Robert De Niro sieht so aus, als könnte er sich bereits vor dem Eröffnungsgong kaum noch auf den Beinen halten.

„Ich stell mich so hin, dass Du mich auch sehen kannst“, sagt „The Kid“ zu „Razor“ im Ring und das ist auch der witzigste Satz, der in diesem Film fällt, der für einen gelungenen Dienstagnachmittag im Kino aber durchaus seine Existenzberechtigung hat. Karsten und ich haben öfters mal gegackert, während aus Rigolettis Ecke nur gequältes Seufzen zu hören war. Für Hochbegabte gibt es sicherlich eine sinnvollere Art der Freizeitgestaltung.

Bei aller Kritik, die der Film sicher verdient – zu wirklicher Größe läuft „Zwei vom alten Schlag“ im Abspann auf, der witziger ist, als die ganzen 90 Minuten vorher zusammengenommen. Und allein dafür, muss ich sagen, hat sich der Film gelohnt. Gäbe es dafür einen Oscar, Grudge Match hätte ihn in der Tasche.

Robert Weber

zwei_vom_alten-SchlagMarion Pfaus (l.) als Karsten Krampitz

Har, Witz im Titel. Aber nur in der deutschen Version. Im Original heißt der Film Grudge Match. Leo.org sagt grudge = Groll, Neid, Ranküne (was ist das denn?). Egal.
Beim Anblick der Hauptdarsteller Sylvester Stallone und Robert De Niro hegt man den Wunsch, sie mögen bitte nicht noch mal in den Film-Ring steigen müssen. Ich jedenfalls möchte das nicht sehen.
Bei Stallone nagelte sich vom ersten Bild an ein Gedanke in meinem Gehirn fest: Mann, sieht der Scheiße aus. Der hat sich liften lassen. Ich glaube, mich an Meldungen von verunglückten plastischen OPs erinnern zu können. Stallone hat sein Gesicht verloren. Robert de Niro nicht. Er hat noch seine Originalfresse, dafür in alt, die ihm, ich nehm’s schon mal vorweg, am Ende des Film ordentlich poliert wird.
Zu Beginn hatte ich tatsächlich die Hoffnung, es würde vielleicht doch nicht geboxt werden, nämlich als Mann-sieht-der-Scheiße-aus-Stallone den Gag macht, dass er viel lieber getanzt als geboxt hätte. Ich wünschte mir Sylvester Stallone, den Tänzer. Diese Hoffnung wurde noch gefüttert, als der alte Box-Trainer unbedingt „Dancing with the Stars“ im Film-TV sehen will. Und als der Box-Promoter De Niro und Stallone für die virtuelle Videospielversion ihres Kampfes castet, war ich mir fast sicher, dass nicht realitätsnah geboxt werden muss. Das Videospiel würde sogar das Plakatmotiv erklären. Umsonst gehofft. Natürlich.
Zwei Box-Legenden haben vor 30 Jahren den Entscheidungskampf nicht ausgetragen. Warum?
De Niro spielt den Bösen, Mann-sieht-der-Scheiße-aus-Stallone den Guten. Der Böse hat das Geld, der Gute die Ehre, die Liebe. Die verlorene Liebe. Kim Basinger. Ob geliftet oder gebotoxt oder beides oder keins von beiden, sie sieht gut aus. Kim war vor 30 Jahren die Frau von Mann-sieht-der-Scheiße-aus-Stallone, fickte aber damals in der Not den anderen. Und weil De Niro Stallone „das, was ihm am meisten bedeutet hat“ genommen hat – Kim Basinger, hat Stallone De Niro das genommen, was dem am meisten bedeutet hat – das Boxen. Rache.
Es geht auch um den verlorenen Sohn, den von De Niro und Kim Basinger. Ein 30jähriges sympathisches Produkt eines One-Night-Stands, das bis dahin nichts von der wahren Vaterschaft wusste.
Und es geht um Geld, Geld das Stallone und sein altersschwacher Trainer dringend brauchen. Übrigens auch die arbeitslosen Kumpels, die beim Wetten auf Stallone gewinnen wollen. Deshalb sagt der nach langem Zögern dem alles entscheidenden Entscheidungskampf nach 30 Jahren doch noch zu.
Während De Niro sich als guter Papa outet und zu gezupfter Gitarrenmusik den neuen Sohn zum Trainer macht, darf Mann-sieht-der-Scheiße-aus-Stallone nochmal auf Schweinehälften rumdreschen. Aber nur kurz, das braucht er nicht mehr machen. Sagt der Trainer. Stallone spielt seine eigene Karikatur.
Der verlorene Sohn vergibt dem Vater und schenkt ihm einen Enkel, der Vater/Opa verschenkt ein Auto und die verlorene Liebe ist anscheinend doch nicht ganz verloren. Alles läuft auf ein Happy End zu, worauf wir aber noch etwas warten müssen. Bis dahin werden noch ein paar Witze gerissen.
Der Box-Promoter sagt zu Stallone im grünen Motion-Capture-Anzug „wenn ich ein Martiniglas wäre, würde ich dich reinschmeißen“, und später „du starrköpfiges Arschgesicht“. Du arschköpfiges Starrgesicht, variiert mein Gehirn. Der Box-Promoter wird Espresso genannt, weil er klein und schwarz ist. Aber nicht von mir, sondern, weil es im Drehbuch steht, aufgesagt vom alten Box-Trainer, der auch von Muschis und geilen Bräuten sprechen muss. Die geilen Bräute im Hintergrund, deren Muschis in Yogahosen stecken, finden das gar nicht geil und ziehen Schnütchen. Einmal musste ich tatsächlich lachen. De Niro kotzt im Vordergrund, der neue Enkel muss im Hintergrund mitkotzen. Zweimal.
Der Enkel hat einen Vater, eine Oma und einen neuen Opa, aber keine Mutter. Was ist passiert? Normalerweise stehen in Filmen gerahmte Fotos von fehlenden Müttern rum. In diesem nicht. Die Mutter bleibt abwesend. Dafür komplettiert sich die Familie eine Generation darüber. Endlich, nach 30 Jahren kuscheln olle Stallone und Kim wieder auf dem Sofa. Und ich bin froh, dass es Mann-sieht-der-Scheiße-aus-Stallone ist und nicht Mann-der sieht-ja-noch-viel-scheißerer-aus-Mickey-Rourke.
(VORSICHT SPOILER – obwohl das bei diesem Film egal ist. Die Red.) Am Ende schickt Kim ihren neuen Alten mit einem gehauchten „Sei vorsichtig“ in den Ring, was aber von diesem sowas von gar nicht beachtet wird. Er drischt auf De Niro ein. Jetzt sieht der auch Scheiße aus. Erste Runde an Stallone, zweite an De Niro. Und so weiter bis Mann-der-sieht-jetzt-aber-echt-Scheiße-aus-Stallone schwächelt, weil er nämlich auf dem rechten Auge blind ist und von dieser Seite so richtig vermöbelt wird. Kim berichtet in Runde 8 (oder so) ihrem Sohn, dem Trainer De Niros, von der geheimen Behinderung, der es sofort an seinen Vater weiter gibt mit der Bitte um einen fairen Kampf. Davon will De Niro erst mal nix wissen, dann aber plötzlich doch. Er hilft dem halb ko-enen Stallone auf die Beine und schlägt nur noch von links. Wer hätte das gedacht! Noch zweimal hilft man sich gegenseitig auf die alten Beine und alle 500.000 Millionen Zuschauer auf der ganzen Welt weinen. Der Sieg geht ganz knapp an Mann-der-blutet-ja-wie-Schwein-am-rechten-Auge-Stallone, aber De Niro hat auch gewonnen. Die Ehre.
Und jetzt kommt’s. Robert De Niro tanzt. In der TV-Show „Dancing with the Stars“. Stallone, Kim, der Espresso und der alte Box-Trainer sehen sich das zusammen auf dem neuen Riesenfernseher an. Eine runde Sache dieser Film.
Marion Pfaus

Das einzig Gute an „Die Gezeichneten“, das sei gleich zu Beginn gesagt, ist der Schluss, den man aber nur versteht, wenn man die wirklich großartige Mutter der PA-Reihe, den 1. Teil gesehen hat, bei dem ich mich seinerzeit gegruselt habe, wie schon lange nicht mehr. Ansonsten hat Teil 5 beste Chancen zum schlechtesten Film des Jahres gewählt zu werden, und das Jahr hat erst begonnen. Die Trashfilm-Autoren haben ihn jedenfalls schon jetzt nominiert.

Das liegt nicht etwa an der flapsigen Story, die zumindest für einen halbwegs annehmbaren B-Movie gereicht hätte, erst recht nicht an der schauspielerischen Leistung der Darsteller, die wirklich ihr Bestes gegeben haben, auch, wenn einer im Finale fünf Minuten lang nur „Scheiße“ schreien muss, es liegt nicht an den teilweise recht gelungenen Schockeffekten, obwohl man dabei tief und ausgiebig in die Horrortrash-Mottenkiste gegriffen hat, sondern es liegt ausschließlich an einem völlig inkompetenten und in sein Spielzeug verliebten Filmemacher, der den Eindruck hinterlässt, als habe er zu Weihnachten seine erste Super 8 Kamera bekommen.

In Zeiten von Bildstabilisatoren ist es einfach völlig unnötig, dem Zuschauer eine Found-Footage-Authentizität vorzugaukeln, in dem man selbst bei völlig ruhigen Standbildszenen extra mit der Kamera herumwackelt, und bei den Szenen, die verwackelt wirken müssen, weil es die Szene erfordert, noch einen extra Wackler draufsetzt, und das 90 Minuten lang. Das ist einfach eine Zumutung, zudem augenschädigend, eigentlich Körperverletzung.

Guter Mann, doppelt gewackelt hält nicht besser. Selbst ohne Stabilisatoren hätte man die Kamera hin und wieder mal auf ein Stativ stellen können, um etwas Ruhe rein zubringen. Der kruden Story hätte das keinen Abbruch getan und ein Stilbruch wäre das bei dem Sammelsurium von ausgelutschten Erschreckern erst recht nicht gewesen.

Wer also halbblind aus dem Kino kommen möchte, der gehe in diesen Film, alle anderen bleiben lieber draußen.

Robert Weber

P.S. Der beste Satz im Film: „Kochen die hier?“

IMG_6129Optik nach dem Film: Verwackelt und verschwommen. Wir sind Gezeichnet.

In meinem Leben gibt es genug Horror, weswegen ich mir normalerweise keine Horrorfilme ansehe. Heute habe ich eine Ausnahme gemacht, um auf dieser Seite etwas darüber schreiben zu können. Genau genommen geht es in dem Film „Paranormal Activity – Die Gezeichneten“ aber nicht um Horror, zumindest nicht primär, sondern, wie der Name schon vermuten lässt, um paranormale Erscheinungen.

Der Film spielt 2012 im Kalifornischen Latino Milieu und wurde ausschließlich mit der Handkamera gedreht. Dieses Detail ist wichtig, ich komme später darauf zurück. Von Anfang an ist klar, daß es sich hier höchsten um einen C-Movie handelt, wenn nicht sogar D. Dagegen ist nichts einzuwenden, wenn sich dafür, so wie hier, die Handlung nicht vorhersehen lässt. Leider kann man ihr manchmal aber auch einfach nicht folgen. Auf jeden Fall wird es nie langweilig. Dafür sorgt bereits die erwähnte Handkamera mit ihren Wackelbildern.

Wie im wahren Leben, so auch hier, geht dem Paranormalen meist irgendeine Art von Verbrechen voraus. In diesem Fall steigt der Hauptcharakter Jessy „nur“ in die Wohnung der verstorbenen Nachbarin ein und das Unheil nimmt seinen Lauf, allerdings nicht nur für Jessy sondern auch für mich als Zuschauer. Es lag nicht an mir, nicht an den durchschnittlichen Spezialeffekten, und auch nicht an den schauspielerischen Leistungen, die durchaus akzeptabel waren, sondern ausschließlich an den nunmehr permanenten Zuckungen der Handkamera, denen beim besten Willen nicht mehr zu folgen war. Dagegen half auch nicht der vorsorglich von mir mitgebrachte bulgarischen Gegen-Voodoo (Foto). Gegen den Handkamera-Terror war kein Kraut gewachsen. Auch mein Versuch, dem Film als Hörstück beizuwohnen, war zum Scheitern verurteilt. Bevor sich meine Kopfschmerzen zu einer faustdicken Migräne auswuchsen, verließ ich das Kino kurzerhand kurz vor Filmende. Ich brauchte einfach frische Luft und etwas Ruhe.

Mit Handkameras gedrehte Filme sind Terror und gehören verboten! Natürlich tat es mir auch ein wenig um Jessy leid. Aber inwieweit kümmerte sich Jessy um mein Leiden? Die Frage muss erlaubt sein! Und was musste er auch in diese verdammte Wohnung der verstorbenen Hexe einsteigen? Was wäre ihm (aber auch mir!) alles erspart geblieben …

Rumen Milkow

IMG_6131Rumen Milkow (r.) als Karsten Krampitz