Smaugs Einöde

Veröffentlicht: Dezember 17, 2013 von robertweber in Trash
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Meine Mutter sagte immer: Was Du mit den Händen aufbaust, reißt Du mit dem Arsch wieder ein. Selbiges möchte man Peter, fast hätte ich Michael geschrieben, Jackson zurufen. Ich habe wahrlich kein Arthouse-Kino erwartet, im Gegenteil, ich wollte nur einen entspannten Nachmittag verbringen und bis zur Pause lief die Sache halbwegs gut. Was nach der Pause passierte, kann ich nur mit „Was für eine riesen-scheiß-Scheiße“ kommentieren. Wär ich bloß nicht wieder reingegangen. Ein öder Cliffhanger reiht sich an den anderen, völlig egal, wer gerade gerettet werden muss oder wer wen retten möchte, Hauptsache, es wird gerettet. Eineinhalb qualvolle Stunden, heulende Zwerge, durch handauflegen heilende Elfinnen, dazu noch eine rassenübergreifende Love-Story und ein Drache, der einfach nicht das Maul halten will. Smaug labert ununterbrochen und sagt am Schluss auch noch „Ich bin der Tooohooohood.“ Wen will Jackson damit erschrecken? Kleine Mädchen, die Angst vor ihrer ersten Periode haben? Den dritten Teil kann er sich jedenfalls sonstwo hinschieben. Ich weiß sowieso, was passieren wird: Jemand der aussieht wie Orlando Bloom tötet den Drachen mit dem letzten noch verbliebenen Pfeil seines Vaters, die Zwerge verteilen das Gold unter die Armen, ein Zwergenelf bzw. Elfenzwerg wird geboren und Bilbo verliebt sich in eine entzückende Orkbraut, wobei natürlich ein Ring die tragende Rolle spielt. Und am Schluss tanzen alle in den Sonnenuntergang hinein, nur Sauron nicht. Der steht in der Ecke und schämt sich.

Robert Weber

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Der kleine Hobbit hatte es mir schon mit 12 angetan und deswegen war ich gespannt auf die Verfilmung. Und da mir der erste Teil gefallen hatte, nun also der zweite Teil, diesmal in 3D.

Die ausgefeilte Technik ist beeindruckend, aber diese Technik scheint sowohl Fluch als auch Segen für den Film zu sein. Segen deshalb, weil die Bilder oft wie Gemälde daherkommen, die Landschaften atemberaubend sind und weil mit viel Liebe zum Detail gearbeitet wurde. Da fliegen einem Hummeln ins Gesicht, Motten und blaue Schmetterlinge und gelegentlich auch mal ein abgeschlagener Ork-Schädel. Ganz ehrlich, da werde ich wieder zum Kind und habe meinen Spaß daran und zucke zurück, und kralle mich im Sessel fest angesichts all der Aufregungen um Riesenspinnen, Orks und dergleichen Gesocks. Und nein – ich habe nicht „Bilbo pass auf!“ geschrieen, das ist eine üble Verleumdung!

Nach der Pause ließ meine anfängliche Begeisterung leider nach. Freilich war auch der im Gold badende Drache wieder sehr eindrucksvoll gestaltet, doch der Kampf mit ihm nahm und nahm kein Ende. Und ich, die ich mich doch so leicht erschrecken lasse, blieb die Ruhe selbst, als Smaug zum x-ten Male wieder ach so überraschend irgendwo hervorbrach, denn ich wusste inzwischen, was passieren würde. Es war zu viel des Guten und die Wirkung war verpufft.

Es scheint fast, als hätte der Regisseur auf seine technischen Möglichkeiten wie ein gieriger Zwerg auf das Gold reagiert und dabei die Emotionen aus dem Blick verloren. Die Konflikte von Zwergen, Hobbit und Zauberer werden oft nur angedeutet und hätte man statt der vielen toten Orks und der auswuchernden Kampfhandlungen z.B. ein paar lebendiger gezeichnete Zwerge vorgesetzt bekommen, dann hätte das dem Film gut getan. Man hätte auch gut auf die zusätzlich eingefügte Liebesgeschichte zwischen der Elbin und dem Zwerg verzichten können. Die vielen Helden treten sich ohnehin schon auf die Zehen. Am Ende muss man dann auch noch dem endlosen Geschwafel des Drachen lauschen und der Wunsch, dass ihm endlich mal einer das Maul stopft, erfüllt sich in diesem zweiten Teil leider nicht.

Claudia Mair

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Kommentare
  1. robertweber sagt:

    Die Elfinnen sind natürlich Elbinnnen, nicht, dass das einen großen Unterschied machen würde. Erstere sind nur kleiner und haben Flügel.
    Robert

  2. Lob an Robert. Geniale Kritik. Den provokativen Stil solltest du beibehalten. Insgesamt habe ich das Gefühl, dass ein wenig gespoilt wird, aber man munkelt nur. 😉 Weiter so!

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