Archiv für November, 2013

Im zweiten Teil der Tribute von Panem werden bestehende Verhältnisse weitergedacht, ein grundlegendes Merkmal guter Science Fiction. Das Volk ist, auch wenn man es nicht direkt ausspricht, versklavt und bekommt gerade genug, damit es überlebt um zu arbeiten, denn irgendwo muss der Luxus für die Oberschicht ja herkommen. Doch das Volk von Panem spielt nicht mehr mit, wird aufmüpfig und der quasi-faschistische Staat, repräsentiert durch Donald Sutherland aka Snow, versucht, die vermeintliche Ursache des beginnenden Aufruhrs mit einer verschärften Auflage der Hungerspiele, eine Dystopie von „Schlag den Raab“, zu beseitigen. Die Heldin des Aufruhrs, deren Namen ich schon wieder vergessen habe, muss medientauglich beseitigt werden, weil sie sich nicht an die Regeln gehalten hat. Und der Film gleitet ab von der bitterbösen und auch subversiven Gesellschafts- und Medienkritik zu einer schwächeren Wiederholung des ersten Teils.

Verzeihlich ist das nur, weil der dritte Teil noch aussteht und die ersten zwei Drittel wirklich aufwühlen. Im Prinzip möchte man aus dem Kino gehen und irgendwas anzünden, wird dann aber wieder eingelullt. Catching Fire macht also genau das, was er zu Beginn brilliant kritisiert. Die da unten werden von denen da oben gerade so am Leben gehalten, haben keine Chance, jemals aus dem Status Quo auszubrechen (es sei denn, man gewinnt als einziger Überlebender die Hunger Games) und um diesen Zustand zu erhalten, setzt man zwar nicht auf genügend Brot, aber doch auf Spiele.

Das ist aber auch der einzige Schwachpunkt des überwiegend großartigen Films, dass er am Schluss doch nur unterhalten will. Vielleicht spielt „Die Tribute von Panem – Catching Fire“ aber auch einfach nur nach den Regeln, und die sehen nun mal nicht vor, dass man aus dem Kino geht und die nächstbeste Luxuskarosse anzündet.

Robert Weber

Filmtipps zum Aufwärmen: Die Tribute von Panem – Hunger Games, Running Man, Das Millionenspiel , Rollerball, Gladiator.

Karsten Krampitz sitzt am Enspurt seiner Doktorarbeit, in der es irgendwie um Gott und Selbstverbrennung geht, genau hab ich ihn nicht verstanden. Als Gastautorin also heute Claudia Mair.

IMG_6123Claudia Mair als Karsten Krampitz.

Die Tribute von Panem oder die Schlacht der Emotionen

Gelegentlich muss man seine Vorurteile auf die Probe stellen, also warum nicht mal ein Fantasy-Film. Ich war mir allerdings nicht darüber im Klaren, dass ich mich in den II. Teil einer Trilogie verirrt habe, deshalb will ich zunächst vom Vergnügen berichten, die Vorgeschichte nicht zu kennen. Man kann nämlich das eigene Gehirn dabei beobachten, wie es sich verzweifelt bemüht, die immensen Wissenslücken mit überzeugenden Vermutungen zu füllen. Diese traumatisierte Schönheit zum Beispiel, die zu Anfang des Films im Wald jagt und Tod fantasiert – was ist ihr geschehen, das ihr so ganz und gar jeden Humor ausgetrieben hat? Catness ist und bleibt den ganzen Film über der Typ spröde Heldin mit großer Opferbereitschaft und ohne tiefere Abgründe. Ihr zur Seite der gute Peter, gut bis zum Abwinken und ebenfalls voller Opferbereitschaft – er erklärt sich sogar bereit, sie zu heiraten, um Schlimmeres zu verhindern.

Obwohl ich kein Fantasy-Film-Fan bin, gab es sogar für mich Stellen mit großem Identifikationspotential. Umzingelt von Affen – wer kennt das nicht. Selbst mit der Heldin konnte ich mich gleich zu Anfang des Filmes kurz identifizieren, nämlich als Peter einen freundschaftlichen Vertrauensbeweises von ihr haben will. Sie soll ihm ihre Lieblingsfarbe nennen. Woraufhin Catness entsetzt erklärt, dass ihr das zu weit geht. Jawohl, auch ich finde, das geht zu weit! Aber sie hat es ihm dann doch verraten, was ich allerdings nicht tue, denn ich will ja nicht die ganze Spannung rausnehmen.

Fakt ist aber: sie verrät ihre Lieblingsfarbe und von da an geht es kontinuierlich bergab. Wir geraten in eine Schlacht der Emotionen, untermalt von musikalischen Gefühlswallungen. Die Liebe, das große Thema. Die Liebe – sowohl Werkzeug des bösen Systems unter Leitung von Präsident Snow, als auch einziges Mittel, um dieses System zu besiegen. Catness und Peter müssen dem Volk großes Liebeskino vorspiegeln, um es ruhig zu halten. Und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass auch ich als Zuschauerin Teil dieses Sklavenvolkes bin, das sich ablenken lässt von seinem beschissenen Dasein. Fantasy-Geschichten wird ja oft vorgeworfen, sie dienten als Flucht aus der Realität. Es ist interessant, wie der Film diese Ablenkungen von der Realität thematisiert. Statt Brot und Spiele, Lovestory und Spiele. Anders funktioniert es ja in unserem System auch nicht, wie der Hype um königliche Vermählungen und einige der heutigen Showformate beweisen.

Der Film hat übrigens auch eine deutliche Message: Vergiss nicht, wer der wahre Feind ist! Und Leute, das sind nicht die anderen armen Schweine, die auch nur überleben wollen, sondern es sind Präsident Snow und sein mieses System! Und alle Einsamen und Junggesellen und –innen: für euch gibt es noch eine extra Erkenntnis von der hinreißenden Tributin aus Sektor 7, der einzigen, die ein bisschen Erotik in den Film bringt. Sie trotzt, provoziert und erklärt, dass die Bösen keine Macht über sie haben, weil es niemanden mehr gibt, den sie liebt. Yeah.

Claudia Mair

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Escape Plan

Veröffentlicht: November 19, 2013 von robertweber in Trash
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Robert Weber

Was passiert, wenn man zwei altersschwule Actionstars in den Knast steckt? So oder so ähnlich war meine, wie sich während der ersten 20 Minuten herausstellte, völlig überzogene Erwartungshaltung bei Escape Plan, die scham- und hemmungslos von Regisseur ScheißaufdenNamen und Drehbuchautor XY unterlaufen wurde.

Abgedroschen und völlig ironiefrei, im Gegensatz zu dem wirklich sehenswerten Expendables, prügeln und ballern sich Sly und Arnie in der schlechtesten, schauspielerischen Darbietung ihrer jeweiligen Filmkarriere durch ein liebloses Setting mit wohl witzig gemeinten Sprüchen für die ganz Doofen. Die Bösen sind tot, die Guten sind frei, Arnie hat keine Paradontose, alles dazwischen nicht der Rede wert. Massenware auf Straight-to-DVD Niveau.

Da ist der schmierige Gefängnisdirektor und sein sadistischer Aufseher, da ist der High-Tech-Knast ohne, ganz böse, jegliche Privatspähre, aus dem man anscheinend unmöglich ausbrechen kann, brutale Sanktionen („Du darfst nicht mehr duschen, nie mehr…“), hier etwas Verrat, da etwas Sozialkritik, ein paar Salven aus dem Machinengewehr, fertig ist die Soße, die ich eigentlich nur mit dem besten Dialog, der im Laufe des Filmes fällt, bewerten möchte:

“Ich könnte etwas kochen.”

“Hab ich nicht schon genug gelitten?”

Selbst in Fortress, nicht gerade ein Lichtblick im Knastfilmgenre, hat man alles schon mal besser gesehen. Also, geht nicht rein Freunde, nicht mal zum Spaß. Schwelgt lieber in nostalgischer Verklärung an Conan der Barbar und Rambo – First Blood. Versaut Euch nicht die Helden Eurer Kindheit mit diesem Streifen, oder, wenn Ihr noch nicht alt genug seid, verschwendet nicht Eure Jugend und knutscht lieber bei den Schlümpfen.

Und wenn Ihr einen wirklich guten Gefängnisfilm sehen wollt, dann schaut lieber Flucht aus Alcatraz oder Die Verurteilten an (oder, ein Klassiker, Papillon).

Also ab jetzt jeden Montag, 21 Uhr. Beim nächsten Mal besprechen wir die Tribute von Panem – Catching Fire.

IMG_6120Vor dem Film: Krampe schwants schon, ich bin optimistisch.

Karsten Krampitz

Um es kurz zu machen: Was war das denn? Schade um die an sich gute Idee, dass eine USA-Firma irgendwo in der Welt ein Gefängnis betreibt, indem gefoltert wird und Menschenrechte nichts gelten; gewisse Bezüge zur Wirklichkeit lassen sich nicht bestreiten. Irgendwie besticht der Film dennoch durch Authentizität: Sämtliche Darsteller gehören eingesperrt. Allein schon für Sätze wie: „Du schlägst zu wie ein Vegetarier!“ (Emil Rottmeyer alias Arnold Schwarzenegger) Als Zuschauer fühlt man sich die ganze Zeit wie in einer Bar, wo das Bier schal ist, die Musik zu laut, keine Frauen da – und dann prügeln sich diese Idioten auch noch. „Jungs, das stört. Könnt ihr mal bitte rausgehen?“

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Endlich, ich habe einen Blog! Gemeinsam mit dem Kollegen Weber: „Trashfilm“. Eine Anmerkung noch in Sachen „altersschwul“ (siehe Blog): Gerade wenn man in die Jahre kommt – Robert Weber wird das auch noch erleben -, kann man froh sein, wenn sich überhaupt noch ein anderer Mensch für einen interessiert. Und auch wenn das hier nicht hingehört: Der Herr Weber wollte während des Films meine Hand halten. Und er hat auch gesagt, dass wir beide nächste Woche wieder ins Kino gehen und dass ich sein bester Freund bin! Soviel dazu.
Robert Weber Daran kann ich mich gar nicht erinnern. Ich muss wohl eingeschlafen sein.
Karsten Krampitz Ich bin doch für dich nur ein Abenteuer!
Robert Weber Wie lange kennen wir uns schon? 10 Jahre? Zu lang für ein Abenteuer, zu kurz, um mich fest binden zu wollen.